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Kirchenkampf
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Als Kirchenkampf im engeren Sinn bezeichnet man den Konflikt innerhalb der Deutschen Evangelischen Kirche zwischen der Bekennenden Kirche einerseits und den Deutschen Christen anderseits, von 1933 bis etwa zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939.
Im weiteren Sinn wird oft die Epoche der deutschen Kirchengeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus insgesamt so bezeichnet. In diesem Fall umfasst der Begriff
⢠den Kampf des NS-Staates gegen die evangelische und die katholische Kirche sowie ihre herkÜmmlichen Organisationsstrukturen, mit dem Ziel der Gleichschaltung
⢠den Kampf von Nationalsozialisten in und auĂerhalb der Kirchen gegen das konfessionelle Christentum. Dieser Kampf verfolgte verschiedene Zwecke: Sie sollten z. B. mit der NS-Ideologie kompatibler gemacht werden; ihr gesellschaftlicher und politischer Einfluss sollte verringert werden; einigen Nazis schwebte eine âarteigeneâ Religiosität vor (siehe z. B. Germanische Glaubens-Gemeinschaft (Ludwig Fahrenkrog))
⢠den Abwehrkampf von christlichen Gruppen und Teilkirchen gegen diese Bestrebungen.
Dass der letztgenannte Abwehrkampf als allgemeines Kennzeichen jener Epoche zu gelten hat, wird in kritischer Kirchengeschichtsschreibung bestritten; vielmehr wird die Haltung der Kirchen gegenĂźber dem Dritten Reich als Schwanken âzwischen Anpassung und Widerstandâ beschrieben bzw. gewertet, wobei mutige Aktionen wie der gemeinsame Hirtenbrief des deutschen Episkopats gegen das Dritte Reichcite-ref-1[1] der Anpassung einzelner an die NS-Politik gegenĂźberstanden.cite-ref-2[2]
DarĂźber hinaus werden gelegentlich auch andere Kämpfe zwischen Kirchen (oder innerhalb einer Kirche) sowie Kämpfe gegen Kirchen oder gegen âdie Kircheâ als Kirchenkampf bezeichnet, ohne dass es sich dabei um einen definierten Begriff handelt.cite-ref-3[3] Als Bezeichnung fĂźr den Kampf zwischen dem Staat und der katholischen Kirche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, insbesondere unter Reichskanzler Bismarck, hat sich der Begriff Kulturkampf durchgesetzt.
Contents
⢠Begriff
⢠Das Jahr 1933
⢠Kirchenspaltung
⢠Spaltung der BK
⢠Kirche und Juden
⢠Folgen
⢠In Deutschland
⢠In Ăsterreich
⢠In der Ăkumene
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Quellen
⢠Einzelaspekte
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Begriff
Der Ausdruck âKirchenkampfâ kam 1933, dem Jahr der MachtĂźbernahme, fĂźr die Auseinandersetzung zwischen den Deutschen Christen (DC) und jenen Kreisen auf, die sich 1934 in der Bekennenden Kirche (BK) zusammenschlossen. In der kirchenhistorischen Forschung nach 1945 wurde damit die gesamte protestantische Epoche in Deutschland von 1933 bis 1945 bezeichnet.
Heute ist dieser Epochenbegriff umstritten, da er den falschen Eindruck erweckt, die evangelischen Kirchen hätten das NS-Regime insgesamt âbekämpftâ. Zwar gab es auf evangelischer wie katholischer Seite einzelne Kirchenvertreter und Gruppen, die die Hitlerregierung Ăśffentlich kritisierten und/oder sogar konspirativen Widerstand leisteten. Doch eine geschlossene kirchliche Opposition gegen den Nationalsozialismus und seine Politik gab es nicht.
Im Zentrum des innerhalb der evangelischen Kirche ausgetragenen âKirchenkampfesâ stand ein Konflikt zwischen den âDeutschen Christenâ und der âBekennenden Kircheâ um das Verständnis und die Auslegung des Evangeliums. Dieser theologische Konflikt wurde auf Seiten der Bekennenden Kirche zu einer indirekten politischen Opposition gegen den Staat, insofern er eine Einmischung des Regimes in Glaubensinhalte und Kirchenverfassung abzuwehren suchte. Damit widersprach er dem Totalitätsanspruch der nationalsozialistischen Ideologie. Ein politischer Widerstand gegen den Nationalsozialismus war damit weder beabsichtigt noch folgte er daraus, von seltenen Ausnahmen abgesehen. Viele Bekennende Christen waren gleichzeitig Antisemiten, Wähler und/oder Mitglieder der NSDAP und begrenzten ihren Widerspruch ausdrĂźcklich auf die Ăbergriffe des Staates auf innerkirchliche Angelegenheiten.
Der Begriff âKirchenkampfâ hat sich dennoch im Protestantismus eingebĂźrgert, weil der Kampf um das Selbstverständnis der ganzen Kirche ging. Denn der kleinere, âbekennendeâ Teil der evangelischen Christen berief sich auf die Grundlagen des christlichen Glaubens in Bibel und Glaubensbekenntnis. Er beanspruchte daher, die ganze evangelische Christenheit rechtmäĂig zu vertreten. Diesem Anspruch gibt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) seit 1945 Recht, so dass die Bekennende Kirche als âwahre Kircheâ gewĂźrdigt und ihre Dokumente â vor allem die Barmer Theologische Erklärung â von einigen Landeskirchen in die Bekenntnisschriften aufgenommen wurden.
AuslĂśser und Thema des Kirchenkampfes war der Versuch des NS-Regimes, mit Hilfe der âDeutschen Christenâ Rassestandpunkte in den Kirchen durchzusetzen und deren Organisationsform zu bestimmen. Dies wurde von der Seite des Staates als politischer, von Seiten der âBekennendenâ Christen aber als theologischer Konflikt gesehen. Der Kirchenkampf lässt sich daher nur bedingt als Konflikt zwischen Kirche und Staat auffassen; er war im Kern ein Kampf um das Selbstverständnis der evangelischen Kirche mit politischen Wirkungen. Im Sinne einer âReformationâ war er nicht mit dem Ende des NS-Regimes abgeschlossen, sondern dauert noch an.
Versuche, den Begriff auf Konflikte zwischen den Kirchen und realsozialistischen Staaten auszudehnen, haben sich nicht durchgesetzt. (siehe z. B. Christen und Kirchen in der DDR, GroĂer Terror (Sowjetunion)).
Kirchenkampf in Frankreich 1871â1905
In Frankreich kam es seit der GrĂźndung der Dritten FranzĂśsischen Republik nach dem Deutsch-FranzĂśsischen Krieg von 1870/71 wiederholt zu innenpolitischen Spannungen, weil mächtige konservativ-restaurative Kräfte in der franzĂśsischen Gesellschaft der republikanisch-demokratischen Staats- und Gesellschaftsform grundsätzlich skeptisch gegenĂźberstanden. Am 11. Mai 1902 gewann im Gefolge der Dreyfus-Affäre ein politisches LinksbĂźndnis (âBloc des gauchesâ) die Parlamentswahlen. Die âRadikaldemokratenâ sahen insbesondere die rĂśmisch-katholische Kirche in Frankreich als Feind der Republik an. Die bĂźrgerlichen Liberalen kritisierten insbesondere die antimodernistische Haltung der katholischen Kirche. Die jahrhundertelange Tradition des Antiklerikalismus geht in Frankreich auf die Zeit der Aufklärung und der FranzĂśsischen Revolution zurĂźck. Die neue Regierung (Kabinett Combes unter Ămile Combes) fasste den Entschluss, dauerhaft den Einfluss der Kirchen auf die Gesellschaft und insbesondere das Erziehungswesen zu beschränken. In einer Reihe von Gesetzen wurde das Verhältnis von Kirche und Staat (Frankreich) neu geregelt.
Im Juli 1902 wurde etwa 3000 staatlich nicht genehmigte kirchliche Schulen geschlossen. Dies fĂźhrte zu heftigen Ăśffentlichen Protesten; 74 der 78 franzĂśsischen BischĂśfe unterzeichneten eine âprotestationâ. Daraufhin stellte die Regierung die Besoldung der BischĂśfe ein.
Im März 1903 wurden alle männlichen Ordensgemeinschaften aufgelÜst. Im Juli 1903 folgte die Aufhebung aller weiblichen Ordensgemeinschaften. Am 7. Juli 1904 wurde die Neugrßndung von Ordensgemeinschaften verboten.
Am 9. Dezember 1905 wurde das Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat verabschiedet. Das Gesetz galt zwar vor allem der katholischen Kirche in Frankreich; aus Grßnden der Neutralität galten diese Regelungen aber auch fßr andere Konfessionen.
Kirchenkampf in Deutschland
Haltung der evangelischen Kirchen zu Kaiserreich und Weimarer Republik
Die liberale Theologie des 19. Jahrhunderts hatte sich gerade in Deutschland mit Idealismus oder Romantik verbunden. Sie ging induktiv von der âreligiĂśsen Erfahrungâ aus, um diese in der kirchlichen VerkĂźndigung bewusst zu machen und zu bestätigen (Friedrich Schleiermacher). Sie bejahte die Autonomie der Lebensgebiete als eigenständige âOffenbarungsquelleâ und glaubte an den ständigen sittlichen und kulturellen Fortschritt des Menschen. Innergeschichtliche Ziele wurden zu verpflichtenden Bezugspunkten fĂźr kirchliches Reden und Handeln aufgewertet.
Die lutherische Orthodoxie blieb indes eng mit Adel und Monarchie verbunden und bildete seit 1789 ein konservatives Bollwerk gegen Rationalismus und Liberalismus. Dort begrĂźĂten fĂźhrende Theologen die Reichseinung von 1871 stĂźrmisch und erhoben Otto von Bismarck zum Vollender der Reformation. Die meisten Landeskirchen erhielten zwar eine Synodalverfassung, die die Mitspracherechte der Gemeinden stärkte, behielten aber ihre konfessionellen Sonderbindungen und Verwaltungen. Die BundesfĂźrsten waren in ihren Ländern â etwa der Kaiser als preuĂischer KĂśnig in PreuĂen â wie in anderen Monarchien zugleich oberster Bischof, die Kirchengesetze erlassen oder aufheben konnten (Landesherrliches Kirchenregiment).
Mit den Lutherjubiläen von 1883 und 1917 kam es zu einer Lutherrenaissance: Der kulturelle Fortschritt wurde skeptisch betrachtet und unter den Vorbehalt der grundsätzlichen Sßndhaftigkeit allen menschlichen Strebens gestellt. Ein Lutherbild mit konfessionellen und nationalen Zßgen wurde gepflegt, das sich von Rom und Paris, also dem Katholizismus und der Menschenrechtstradition, abgrenzte.
Der Erste Weltkrieg zerbrach den allgemeinen humanen Fortschrittsglauben nachhaltig. Zudem beendete die Novemberrevolution die preuĂisch-lutherische Allianz von âThron und Altarâ. Friedrich Ebert sicherte den evangelischen Kirchen aber schon im Januar 1919 zu, dass die vorbereitete Verfassung ihre Privilegien â vor allem den staatlichen Einzug der Kirchensteuer â nicht antasten werde. Dennoch wurde der Protestantismus in der Weimarer Republik erneut zum Hort eines demokratiefeindlichen Nationalismus. Da Sozialdemokraten an Regierungen beteiligt waren, nahm fĂźr viele evangelische Christen die Nation die Stelle des Obrigkeitsstaates ein. Sie sahen das Kriegsende 1918 weithin als Niederlage und Demokratie und Sozialismus als Feinde des Christentums.
Nach Verabschiedung der Weimarer Verfassung richtete der Präsident des altpreuĂischen Evangelischen Oberkirchenrats (EOK) Reinhard MĂśller ein âtiefempfundenes Dankeswort an unseren fĂźrstlichen Schirmherrnâ, den abgesetzten Kaiser; KirchenfĂźhrer wie Detlev von Arnim-KrĂśchlendorff jubelten: âDer Umsturz hat sich auf unsere Kirche nicht miterstreckt.â Die konservative Kontinuität der Landeskirchen, die als Volkskirche fĂźr alle religiĂśsen BedĂźrfnisse der getauften Deutschen zuständig waren, blieb erhalten.
Nur einige AuĂenseiter sahen die soziale Frage schon vor 1914 als Problem, das auch das Christentum angeht. Als Christ Mitglied der SPD zu sein, war damals nahezu undenkbar. Eine seltene Ausnahme war der schwäbische Pietist Christoph Blumhardt. Doch nach 1918 wuchs die religiĂśs-soziale Bewegung auch in Deutschland zeitweise auf einige 10.000 Anhänger. Der 1926 gegrĂźndete Bund der religiĂśsen Sozialisten Deutschlands um Georg Fritze und Georg WĂźnsch gehĂśrte zu den ersten und entschiedenen Warnern vor dem aufkommenden Nationalsozialismus.
Die Dialektische Theologie veränderte seit 1919 die geistige und kirchliche Landschaft, indem sie energisch nach der Verantwortung der Kirche vor dem Wort Gottes und so auch fĂźr die Welt fragte. Der Schweizer Theologe Karl Barth stellte die âBindestrich-Theologienâ, die ein zeitliches mit einem ewigen Anliegen meinten verbinden zu kĂśnnen, und das Selbstverständnis des Kulturprotestantismus als âErziehungsanstaltâ der bĂźrgerlichen Gesellschaft radikal in Frage.
Doch solche Warner blieben praktisch ohne Wirkung auf die Kirchenpolitik. MaĂgebend waren hier Kirchendiplomaten wie der damalige Generalsuperintendent der Kurmark Otto Dibelius, der in seinem Buch âDas Jahrhundert der Kircheâ (1926) schrieb:
âDie ev. Kirche steht am Anfang einer neuen Epoche. Ungeheure MĂśglichkeiten stehen vor uns! Ungeheure Aufgaben!â
Die Weltwirtschaftskrise traf die Kirchen dank der staatlichen Absicherung ihrer Finanzgrundlagen kaum; sie wurde als Chance zur Steigerung ihrer EinflussmĂśglichkeiten begriffen. Das âKirchliches Jahrbuchâ von 1930 triumphierte, die Kirche habe in der allgemeinen Inflation âihren Wert gesteigertâ.
Gegen diese Selbstzufriedenheit schrieb Karl Barth 1930 seine bisher schärfste Replik, den Aufsatz Quousque tandem?, in dem es hieĂ:
âWo diese Sprache geredet wird, da ist Catilina, da ist die eigentliche, gefährliche VerschwĂśrung gegen die Substanz der evangelischen Kirche. [âŚ] Die Substanz der Kirche ist die ihr gegebene VerheiĂung und der Glaube an diese VerheiĂung. Wann wäre die VerheiĂung nicht grĂśĂer, deutlicher, leuchtender geworden unter wirklicher Anfechtung von auĂen? [âŚ] Wenn sie âJesus Christusâ sagt, muĂ und wird man, und wenn sie es tausendmal sagte, ihre eigene Sattheit und Sicherheit hĂśren und sie soll sich nicht wundern, wenn sie mit allem ihrem âJesus Christusâ in den Wind, an der wirklichen Not der wirklichen Menschen vorbeiredet, wie sie am Worte Gottes vorbeigeholt, aus aller Mahnung, TrĂśstung und Lehre der Bibel und der Reformatoren Wasser auf ihre eigenen kleinen MĂźhlen gemacht hat.â
1930 gaben sich die evangelischen Landeskirchen mit dem Deutschen Evangelischen Kirchenbund einen lockeren Dachverband. Zudem schlossen sie am 11. Mai 1931 einen Kirchenvertrag mit dem Freistaat PreuĂen ab, den viele KirchenfĂźhrer als Sieg Ăźber die âEntrechtungâ durch die Weimarer Verfassung empfanden.cite-ref-4[4] Er sicherte ihnen Religionsunterricht und Ăśffentliche Finanzmittel zu. Zugleich wurden die Rechte der Synoden als innerkirchliche Parlamente gestärkt und damit Lagerbildung in den Kirchen gefĂśrdert.
Haltung der NSDAP zu den Kirchen
Der aufkommende Nationalsozialismus stellte den Kampf um die Vorherrschaft der âarischen Herrenrasseâ, die Eroberung von âLebensraum im Ostenâ als antibolschewistischen Kreuzzug und die Vernichtung des Judentums ins Zentrum seines Programms. Diese Ziele waren nur mit einer im nationalsozialistischen Geist erzogenen BevĂślkerung zu erreichen, die sich von der âjĂźdischen Mitleidsmoralâ des Christentums abkehren wĂźrde. Die NS-Ideologie erhob daher Anspruch auf eine totale Weltanschauung, die keinen Raum fĂźr konkurrierende religiĂśse oder politische Weltdeutungen und Sinngebungen lieĂ. Eine Einheitspartei sollte sie machtpolitisch als Staatsdoktrin durchsetzen.
GegenĂźber den Kirchen verfolgte die NSDAP eine Doppelstrategie von Vereinnahmung und direkter Konfrontation. Bis 1930 lieĂ sie sie aus ihren politischen Aktivitäten heraus. Ihr Programm warb zunächst um die Christen, indem es ein âpositives Christentumâ ohne konfessionelle Bindung propagierte; ein meist unbemerkter Zusatz schränkte dies ein: â⌠soweit sie nicht [âŚ] gegen das Sittlichkeits- und MoralgefĂźhl der germanischen Rasse verstoĂen.â Religion sollte nur in den Grenzen des NationalgefĂźhls mĂśglich sein; ein âdeutscher Glaubeâ konnte âGottâ so nur in der deutschen Geschichte finden. Die ânationale Revolutionâ wurde als ErfĂźllung aller religiĂśsen SehnsĂźchte ausgegeben.
Hinzu kam ein militanter Antisemitismus, der anders als der ältere religiĂśse Antijudaismus ausschlieĂlich rassisch definiert war.cite-ref-5[5] Schon 1880 erhob der Protestant Adolf Stoecker den Antisemitismus zum politischen Programm seiner Christlich-sozialen Partei, die jedoch nie mehr als drei Reichstagsabgeordnete erreichen konnte. In der NS-Ideologie wurde dann ein diffuser âmetaphysischer Antisemitismusâcite-ref-6[6] zentral. Hitler hatte in Mein Kampf 1923 geschrieben:
âIndem ich mich des Juden erwehre, erfĂźlle ich das Werk des Herrn.â
Seit dem neuen Kirchenvertrag von 1930 versuchte die NSDAP, die evangelischen Christen offensiv in ihren Kampf gegen das âWeimarer Systemâ aus âMarxismus, Judentum und Zentrumâ zu gewinnen: SA-Trupps besuchten geschlossen evangelische Gottesdienste und hielten âMahnwachenâ vor Kirchen, um pazifistisch oder religiĂśs-sozial eingestellte Pastoren einzuschĂźchtern. So gelang es zum Beispiel durch geschĂźrte EmpĂśrung zu verhindern, dass der Berliner Pfarrer GĂźnther Dehn seine Dozentur in Halle (Saale) antreten konnte. Dehn hatte in einem Gemeindevortrag âDer Christ und der Kriegâ von 1928 die Kriegsdienstverweigerung als christliche MĂśglichkeit biblisch begrĂźndet.
1932 grĂźndete sich zudem die âGlaubensbewegung Deutsche Christenâ (DC) als Zusammenschluss von evangelisch getauften Nationalsozialisten. Sie wollten der NS-Ideologie in ihrer Kirche erst Raum, dann Alleingeltung verschaffen, nachdem die Deutschnationalen bzw. der âChristlich-soziale Volksdienstâ 1930 die Kirchenwahl in PreuĂen gewonnen hatte. Sie pflegten ein âarteigenes Christentumâ, das durch Elemente einer âneuheidnischenâ Religiosität aus dem âVolkstumâ erneuert werden sollte. Sie wollten das FĂźhrerprinzip innerkirchlich verankern und strebten die Vereinheitlichung der bisher nach Konfessionen gegliederten Landeskirchen in einer Reichskirche an. GefĂźhrt wurden sie vom Pfarrer Joachim Hossenfelder; gefĂśrdert wurden sie von namhaften Theologen wie Emanuel Hirsch, der die DC-Theologie schon 1920 mit seinem Buch Deutschlands Schicksal vorbereitet hatte. Auch Paul de Lagarde und Arthur Dinter gelten als Vorläufer, da sie wie die DC Paulus von Tarsus zum Verderber des Christentums erklärten, Jesus als antijĂźdischen âProphetenâ darstellten und eine national-deutsche Religion vertraten.
Als innerkirchliche Erneuerungsbewegung nach 1933 entstanden, musste die âBekennende Kircheâ dann an mehreren Fronten zugleich kämpfen: gegen die von den Nationalsozialisten aufgedrängte Politisierung, Gleichschaltung und Instrumentalisierung der Kirche, gegen die von innen kommenden Anpassungstendenzen, gegen die konfessionellen Sonderwege und nicht zuletzt gegen eigene Furcht, Feigheit und Inkonsequenz, die einen wirksamen Widerstand verhinderten.
Das Jahr 1933
Evangelische Reaktionen nach Hitlers Machtantritt
Die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 wurde auch von Christen als âRettung des Vaterlandesâ begrĂźĂt.
Mit der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat (Reichstagsbrandverordnung) hob Hitler am 28. Februar â einen Tag nach dem Reichstagsbrand â alle persĂśnlichen Freiheitsrechte der Weimarer Verfassung auf; dieses Gesetz legitimierte später die Bespitzelung und Inhaftierung auch von Kirchenvertretern. Es wurde von den Kirchen kaum wahrgenommen. Otto Dibelius hielt am 21. März in der Potsdamer Nikolaikirche einen Gottesdienst fĂźr die am 5. März in den Reichstag gewählten und zum Tag von Potsdam in der Stadt erschienenen evangelischen Abgeordneten ab. Am 23. März â einen Tag vor dem Beschluss des Ermächtigungsgesetzes â hatte Hitler die Kirchen mit einer Regierungserklärung beruhigt, in der er versprach:
âDie nationale Regierung sieht in den beiden christlichen Konfessionen die wichtigsten Faktoren zur Erhaltung unseres Volkstums.â
Er werde ihnen âden ihnen zukommenden Einfluss einräumen und sicherstellenâ und sehe âim Christentum die unerschĂźtterlichen Fundamente des sittlichen und moralischen Lebens unseres Volkes.âcite-ref-7[7]
Am 30. März befolgten viele hochrangige Ăkumeniker der Kirchen und Freikirchen die âEmpfehlungâ der NSDAP, Briefe an ihre ausländischen Partner zu schreiben, in denen sie in aller Form darum baten, der âHetzeâ gegen Deutschlands Neuordnung entgegenzutreten. Alles vollziehe sich in âruhiger Disziplinâ und âdiene dem Friedenâ. Dibelius schilderte in einer RadioĂźbertragung in die USA u. a., dass die Verhafteten in den Gefängnissen âordentlich behandeltâ wĂźrden. Den zwei Tage später durchgefĂźhrten âJudenboykottâ legitimierte Dibelius wiederum als staatliche âWiederherstellung der Ordnungâ und âNotwehrâ. Auch die Reaktionen in der Ăkumene auf die beginnende Judenverfolgung sah er als âAuslandshetzeâ, die er auf die âinternationalen Verbindungen des Judentumsâ zurĂźckfĂźhrte.
Am 3. und 4. April fand in Berlin eine âReichstagungâ der DC statt: Dort nahmen neben NSDAP-Vertretern wie Hermann GĂśring auch Universitätstheologen wie Karl Fezer teil; dieser wollte die Gunst der Stunde zu einer âinneren Volksmissionâ nutzen. Die radikaleren Redner aber wollten âFĂźhrerprinzipâ und âArtgemäĂheitâ direkt auf die ganze Kirche Ăźbertragen, forderten den Ausschluss der getauften Juden und drohten, auch in der Kirche âStaatskommissareâ einzusetzen. Dies geschah dann erstmals am 22. April in der mecklenburgischen Landeskirche.
Der Arierparagraph: AuslĂśser des Kirchenkampfes
Am 7. April folgte das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Der âArierparagraphâ darin bedrohte jĂźdische Beamte, Universitätsprofessoren und auch Pastoren mit Entlassung. Als einer der ersten reagierte Dietrich Bonhoeffer darauf mit seinem Aufsatz Die Kirche vor der Judenfrage (abgeschlossen am 15. April, im Juni verĂśffentlicht). Darin stellte er klar fest, dass mit dem Ausschluss der Juden die âExistenzâ der Kirche als Glaubensgemeinschaft auf dem Spiel stehe. Aber sie habe nicht nur die getauften, sondern alle Juden gegen StaatsĂźbergriffe in Schutz zu nehmen:
âDie Kirche ist den Opfern jeder Gesellschaftsordnung in unbedingter Weise verpflichtet, auch wenn sie nicht der christlichen Gemeinde angehĂśren.â
Sie habe den Staat zu fragen, womit er die Entrechtung einer Minderheit verantworten kĂśnne; wenn er darauf weiter mit Gewalt antworte, habe sie
ânicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen.â
FĂźr Bonhoeffer war das Verhältnis zu den Juden also der Zentralpunkt des Kirchenkampfes. Er thematisierte das Widerstandsrecht schon, als die meisten Christen die Staatsgewalt gegen Juden ignorierten oder gar âVerständnisâ dafĂźr zeigten. Dagegen hielt er pointiert fest:
âAufgabe christlicher VerkĂźndigung [ist es] zu sagen: hier, wo Jude und Deutscher zusammen unter dem Wort Gottes stehen, ist Kirche, hier bewährt es sich, ob Kirche noch Kirche ist oder nicht.â
Ebenso verwarfen im Mai elf westfälische Pfarrer, darunter Hans Ehrenberg und der spätere Märtyrer Ludwig Steil, den Ausschluss von Juden als häretische Kirchenspaltung. Auch die âJungreformatorische Bewegungâ erklärte in ihren âGrundsätzen zur neuen Gestaltung der Kircheâ in Punkt 7:
âWir bekennen uns zum Glauben an den heiligen Geist und lehnen deshalb grundsätzlich die AusschlieĂung von Nichtariern aus der Kirche ab; denn sie beruht auf einer Verwechslung von Staat und Kirche. Der Staat hat zu richten, die Kirche hat zu retten.â
Staatliche Gesetze wurden abgelehnt, sofern sie der Kirche den Ausschluss der Menschen jĂźdischer Herkunft aufzwangen. Dahinter stand das traditionelle lutherische Verständnis der Zwei-Reiche-Lehre, wonach der Staat Inhalte und Durchsetzung von Recht âeigengesetzlichâ bestimmen kĂśnne, während die Kirche sich auf Rettung des Seelenheils zu beschränken habe. Demgemäà blieb ein kirchlicher Widerstand gegen die späteren NĂźrnberger Rassegesetze aus.
Das Gutachten der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Marburg kam im September 1933 zu dem uneingeschränkten Ergebnis: âDarum ist der Arierparagraph eine Irrlehre von der Kirche und zerstĂśrt deren Substanz.â Das kennzeichnete ein Staatsgesetz, das kirchliche Geltung beanspruchte, als von allen Christen unbedingt abzulehnende Häresie (Irrlehre). Damit legte es nahe, dieses Gesetz als Unrecht auch sonst abzulehnen und dem Staat an diesem Punkt zu widerstehen. Dennoch stellte kaum eine Stellungnahme der Bekenner unter den Christen die Legitimität der StaatsmaĂnahmen gegen Juden in Frage.
Kampf um die Kirchenleitungen
Die evangelischen Kirchenleitungen waren vor allem um ihre Organisation besorgt: Sie griffen nun den Ruf nach einer Kirchenreform selber auf. Man hoffte, so die Initiative wiederzugewinnen und die DC zurĂźckzudrängen. Der Verfassungsentwurf von Wilhelm Zoellner vom 13. April â einer von vielen â sah eine âEvangelische Kirche deutscher Nationâ vor, in der eine lutherische und reformierte Reichskirche nebeneinander bestehen sollten.
Bevor er ausgearbeitet werden konnte, ernannte Hitler den Wehrkreispfarrer Ludwig MĂźller, einen Ăźberzeugten Nationalsozialisten, am 25. April zu seinem âVertrauensmann und Bevollmächtigten fĂźr die Fragen der evangelischen Kircheâ. Sofort ernannten die DC MĂźller zu ihrem âSchirmherrnâ und forderten Kirchenwahlen, um ihn dort zum âReichsbischofâ zu machen. In den folgenden Beratungen mit MĂźller sahen Hermann Kapler, August Friedrich Karl Marahrens und Hermann Albert Hesse Reichskirche und FĂźhrerprinzip bereits als diskussionswĂźrdig an; nur die âArtgemäĂheitâ klammerten sie noch aus. Da der âArierparagraphâ nur wenige kirchliche Mitarbeiter â etwa 110 Pfarrer sowie eine unbekannte Zahl von Theologiestudenten jĂźdischer Abstammung â getroffen hätte, nahm die Bereitschaft zu, auch an diesem Punkt dem Druck von Partei und DC nachzugeben.
Zugleich bildete sich aus mehreren schon vorher bestehenden Gruppen mit unterschiedlichen ErneuerungsansprĂźchen an die Kirche â u. a. Berneuchener Bewegung, Sydower Bruderschaft, Neuwerkbewegung â eine âJungreformatorische Bewegungâ. Sie forderte ebenfalls eine einige, aber an die reformatorischen Bekenntnisschriften gebundene Gesamtkirche und favorisierte Friedrich von Bodelschwingh als deren Bischof. Die Landeskirchenleitungen hatten schon begonnen, sich zu einer fĂśderalen âDeutschen Evangelischen Kircheâ (DEK) umzubilden, und wählten am 27. Mai Bodelschwingh zum Reichsbischof, noch bevor dieses Amt in der Kirchenverfassung vorgesehen war.
Der preuĂische Kultusminister behauptete daraufhin eine Verletzung des Staatsvertrags und begann den kirchlichen BehĂśrdenapparat umzubilden. Am 24. Juni trat Bodelschwingh unter staatlichem Druck zurĂźck. Reichspräsident Hindenburg intervenierte bei Hitler gegen die Kirchenpolitik durch einen offenen Brief, der in der Tagespresse am 1. Juli 1933 verĂśffentlicht wurde. Der DEK wurde per Gesetz am 14. Juli eine neue Verfassung auferlegt und neue Synodalwahlen fĂźr den 23. Juli ausgerufen. Nachdem Hitler am Abend vor der Wahl im Rundfunk fĂźr die DC Partei ergriffen hatte, errangen diese mit der Parole âein Volk, ein Reich, eine Kircheâ einen erdrutschartigen Wahlsieg Ăźber die von den âJungreformatorenâ gebildete Gruppe âEvangelium und Kircheâ. Um eine vom Staat abhängige Kirche zu schaffen, besetzten die DC die Kirchenleitungen und gliederten die Landeskirchen neu nach dem âFĂźhrerprinzipâ und âhistorischen BistĂźmernâ. Am 27. September wählten ihre Kirchenleitungen MĂźller zum Reichsbischof. Auch die bei der Wahl unterlegenen Kirchenvertreter stimmten nun fĂźr MĂźller. Die Opposition erreichte aber, dass der Bezug auf die reformatorischen Bekenntnisse in die neue Kirchenverfassung kam.
Die radikaleren Kräfte der DC forderten nach ihrem Wahlerfolg die âVollendung der Reformationâ als Analogie zur ânationalen Revolutionâ in der Kirche: die Entfernung alles âUndeutschenâ aus Gottesdienst und Bekenntnis, die âEntjudungâ des Evangeliums und ein âartgemäĂesâ Christentum, das einen âheldischenâ Jesus anbeten sollte. Dieses Programm wurde am 13. November im Berliner Sportpalast verkĂźndet und bei nur einer Gegenstimme angenommen. Die Rede des DC-Vertreters Reinhold Krause, der ein unverblĂźmt antisemitisches, neuheidnisches Christentum beschwor, lĂśste jedoch einen Skandal aus und bewegte viele gemäĂigte DC-Mitglieder zur Abkehr von dieser Kirchenpartei, einige auch zum RĂźcktritt von ihren Ămtern. AnschlieĂend zerfiel die DC in mehrere Splittergruppen.
Reichsbischof MĂźller gliederte am 20. Dezember die evangelischen Jugendverbände, die sich zum Evangelischen Jugendwerk Deutschlands zusammengeschlossen hatten, ohne RĂźcksprache mit ihren FĂźhrern und gegen deren erklärten Willen in die Hitler-Jugend ein. MĂźller glaubte, Hitler damit sein âschĂśnstes Weihnachtsgeschenkâ gemacht zu haben, verlor aber weithin das Vertrauen der evangelischen Jugend, die sich vielfach selbst zu organisieren begann. Auch Hitler lieĂ ihn ab 1934 fallen.
Katholische Haltung zum NS-Regime
Seit den Erfahrungen des Kulturkampfs der Bismarckära gegen die Kirche blieb die katholische BevÜlkerung politischen Neuerungen gegenßber ßberwiegend distanziert. Dies traf auch auf den Nationalsozialismus zu. Die deutschen katholischen BischÜfe hatten wiederholt vor der NS-Ideologie gewarnt. Dies fßhrte dazu, dass sich der katholische BevÜlkerungsteil bis zur letzten halbwegs freien Wahl der Weimarer Republik als erheblich resistenter gegenßber dem Nationalsozialismus erwies als der Rest der BevÜlkerung.cite-ref-0-8-0[8] Im ßberwiegend katholischen Rheinland und in Bayern erreichte die NSDAP kaum mehr als 20 % der abgegebenen Stimmen gegenßber teilweise mehr als 60 % in evangelischen Regionen. Im Schnitt erhielt die NSDAP bei den Wahlen im Juli 1932 in homogen katholischen Wahlkreisen lediglich 15 %, in homogen evangelischen Wahlkreisen hingegen 39 %cite-ref-0-8-1[8].
Schon vor der Machtergreifung distanzierte sich der deutsche Episkopat vom Nationalsozialismus, indem er den Katholiken verbot, sich in der NSDAP zu engagieren, und NS-Verbänden untersagte, bei kirchlichen Prozessionen mitzumarschieren. Sämtliche DiĂśzesen im Deutschen Reich sahen sich 1932 veranlasst, die ZugehĂśrigkeit zur NSDAP fĂźr âunvereinbar mit dem christlichen Glauben zu erklärenâ.cite-ref-schriften-des-initiativkreises-katholischer-laien-und-priester-in-der-di-zese-augsburg-e-v-9-0[9]
Nachdem sich Hitler mehrmals kirchenfreundlich äuĂerte und in seiner Regierungserklärung am 23. März 1933 die beiden groĂen christlichen Kirchen als âwichtigste Faktoren zur Erhaltung unseres Volkstumsâ bezeichnete, relativierte die katholische Kirche ihre bisherige Kritik.cite-ref-10[10] Die BischĂśfe zogen ihre UnvereinbarkeitsbeschlĂźsse zurĂźck, behielten allerdings ihre kritische Position bei (âWir mĂźssen nach wie vor Irrtum nennen, was Irrtum ist, Unrecht, was Unrecht ist.âcite-ref-11[11]). Einer Mitgliedschaft von Geistlichen in der NSDAP standen die BischĂśfe weiter ablehnend gegenĂźber.cite-ref-12[12]
Als sich die DEK (Deutsche Evangelische Kirche) bildete, wollten manche deutsche Katholiken bei der ânationalen Revolutionâ nicht mehr abseitsstehen. Einige hofften auf den Neuaufbau eines christlich-nationalen Deutschlands, wobei auch der traditionelle Antikommunismus eine Rolle spielte. Ăltere Katholiken, die noch aus der Zeit des kirchlichen Antimodernismus, der auch häufig antijudaistische ZĂźge trug, beeinflusst waren, erkannten bzw. begrĂźĂten im NS-Staat antimodernistische Tendenzen. Auch darum blieb eine gesamtchristliche Opposition gegen die NS-Ideologie und Politik aus.
Am 20. Juli 1933 schloss die Kurie Ăźberraschend das Reichskonkordat ab, das bereits seit 1919 erfolglos verhandelt worden war.cite-ref-13[13] Dies verbuchte Hitler als diplomatischen Erfolg: Sein Regime erhielt moralische RĂźckendeckung und konnte sich damit international als vertrauenswĂźrdig darstellen. Andererseits behielten die katholischen BischĂśfen so einen gewissen Einfluss auf die Gesellschaft, den sie auch gegen Unrecht und Ăbergriffe nutzen konnten. Gleichwohl waren auch die Katholiken von der Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten betroffen. Die Zentrumspartei wurde im Herbst 1933 mit allen Ăźbrigen demokratischen Parteien verboten, christliche Gewerkschaften wurden aufgelĂśst, katholische Schulen und Orden konnten nur mit MĂźhe ihre Eigenständigkeit wahren. Die SA griff in StraĂenkämpfen AngehĂśrige katholischer Verbände wie die Kolpingjugend an. Obwohl diese Konflikte das Verhältnis zum NS-Regime belasteten, wurden sie seit dem Konkordat meist unauffällig gelĂśst und fĂźhrten nur zu nichtĂśffentlichen Protesten. Im Jahr 1937 protestierte Papst Pius XI. mit der in deutscher Sprache verfassten Enzyklika âMit brennender Sorgeâ gegen die Ăbergriffe und stellte die Unvereinbarkeit von Rassismus und Christentum fest, wobei er den rassischen Antisemitismus vom religiĂśsen Antijudaismus unterschied.
Erich Klausener, Leiter der Berliner Katholischen Aktion seit 1928, wandte sich gegen die antikirchliche Politik Adolf Hitlers. Zum Beispiel kritisierte er in einer Rede auf dem 32. märkischen Katholikentag am 24. Juni 1934 die Ausgrenzung von weltanschaulichen Kontrahenten durch die Nationalsozialisten und die Rassenpolitik der Regierung.cite-ref-14[14] Klausener wurde am 30. Juni 1934 im Zuge der RÜhm-Affäre in seinem Dienstzimmer ermordet.
Einzelne katholische Theologen wie Karl Eschweiler oder Hans Barion begrĂźĂten die NS-Ideologie jedoch und traten in die NSDAP ein. Beiden wurde wegen ihrer Bejahung des Gesetzes fĂźr Zwangssterilisation bei Erbkranken 1934 von der Kurie vorĂźbergehend die Lehrerlaubnis (Missio canonica) entzogen. Vor allem Bischof Clemens August Graf von Galen und Kardinal Michael von Faulhaber widersprachen in Predigten Ăśffentlich dem Gesetz zur VerhĂźtung erbkranken Nachwuchses. Von Galen konnte sogar die zeitweise Aussetzung des âEuthanasieâ-Programms, der Aktion T4, erreichen.
Mit Pius XII. wurde im März 1939 ein Hauptinitiator des Konkordats Papst. Nach heutiger Quellenlage setzte er seine Hoffnung auf Diplomatie, um grĂśĂeren Schaden zu verhindern und durch verborgenes Handeln Menschen zu retten. Dies schränkte den Handlungsspielraum der Katholiken in Deutschland ein. NichtĂśffentliche Proteste blieben Sache des Vatikans; eine erklärte Opposition gegen den Holocaust gab es nicht. Einzelne setzten ihr Leben fĂźr die Juden ein und wurden zu Märtyrern, darunter die Priester Alfred Delp, Maximilian Kolbe, Rupert Mayer und Bernhard Lichtenberg. Vor allem die Priesterschaft Polens hatte nach dem deutschen Ăberfall auf Polen (September 1939) viele Opfer zu beklagen. Es wird geschätzt, dass 16 % der Priester Polens in der Zeit der deutschen Besatzung ermordet wurden.cite-ref-15[15]
Insgesamt war die Haltung der Katholiken in Deutschland einheitlicher und kaum von internen Konflikten belastet: Sie passten sich dem Nationalsozialismus mit wenigen Ausnahmen ideologisch nicht an, die Teilnahme der Gläubigen an den kirchlichen Veranstaltungen blieb konstant hoch; so nahmen mehr als 60 % der Katholiken an der Osterkommunion in den Jahren ab 1934 teil.cite-ref-16[16] Der Widerstand der Kirche gegen das NS-Regime war häufig verborgen: Seit 1935 ermÜglichte die deutsche Kirche mit Wissen des Vatikans Juden die geheime Emigration.cite-ref-17[17]
Der Begriff âKirchenkampfâ wird fĂźr den Kampf des NS-Regimes gegen die rĂśmisch-katholische Kirche im âDritten Reichâ verwendet. Hitler hatte das Reichskonkordat seit Beginn ignoriert und einen rĂźcksichtslosen Kirchenkampf stetig steigender Intensität erĂśffnet.cite-ref-18[18] Der Ausdruck âKirchenkampfâ besitzt auch eine gewisse Nähe zum Begriff âKulturkampfâ, da die Katholiken im Dritten Reich auch vielfach von einem âneuen Kulturkampfâ sprachen, den sie zu bestehen hätten.cite-ref-19[19]
Der Historiker Olaf Blaschke kritisiert den seiner Meinung nach zu geringen Widerstand der Kirche gegen Judenverfolgung und -vernichtung, die er aus ihrer Trennung des Phänomens Antisemitismus in eine unerlaubte, unchristliche und offiziell verurteilte Form (den Rassenantisemitismus) und andererseits eine legitime, sozusagen defensive Variante, wenn dem vermeintlich ĂźbermäĂigen und schädlichen Einfluss von Juden auf Alltag und Religion begegnet werden mĂźsse, erklärt. Am organisierten Antisemitismus oder den Antisemitenparteien habe man sich nicht beteiligt, jedoch hätten auch Vertreter des Klerus antijĂźdische und in diesem Zusammenhang anti-emanzipatorische Rhetorik betrieben. Von Seiten der deutschen Kirche wurde der fehlende Protest gegen die Judendeportationen teilweise damit begrĂźndet, dass die zahlreichen scharfen Proteste der holländischen Bischofskonferenz und deren Eintreten fĂźr die Juden 1942 dort daraufhin erst recht zu verstärkten Deportationen gefĂźhrt hätten. DemgegenĂźber wird eingewendet, dass diese MaĂnahmen nur in einem Besatzungsgebiet durchfĂźhrbar gewesen seien, in dem die Besatzer andere MaĂstäbe anlegten als im Reich, und dass kirchlicher Protest in Deutschland, wie Bischof Galens Kritik am âEuthanasieâ-Programm oder die Demonstrationen gegen die Entfernung von Schulkreuzen 1936 im Oldenburger MĂźnsterland und 1941 in Bayern (siehe Kreuzkampf), nicht ohne Erfolg geblieben seien.cite-ref-20[20]
Entstehung der Bekennenden Kirche
Der Pfarrernotbund
Am 21. September 1933 hatte sich in Wittenberg ein âPfarrernotbundâ unter Martin NiemĂśller gebildet; von den KirchenfĂźhrern der DEK gehĂśrten nur der westfälische Präses Jakob Emil Karl Koch und Otto Dibelius dazu. Er verpflichtete seine Mitglieder per Satzung, der Anwendung des Arierparagraphen in der Kirche zu widerstehen, weil dadurch eine âVerletzung des Bekenntnisstandesâ (lateinisch: status confessionis) gegeben sei, und wollte den vom Kirchenausschluss bedrohten jĂźdischen Pfarrern auch finanziell helfen.
Damit gaben die Autoren (Bonhoeffer und NiemĂśller) der âJudenfrageâ denselben theologischen Rang wie den Themen, die fĂźr die Reformatoren im 16. Jahrhundert als unaufgebbare Substanz des evangelischen Glaubens galten. Der Aufruf zum Ăśffentlichen Bekennen gegen die erdrĂźckende kirchliche und gesellschaftliche Mehrheit beinhaltete eine implizite Selbstverpflichtung, diesen Glauben notfalls bis zum Tod zu verteidigen. âNur mit den Judenâ war fĂźr diese Bekenner gleichbedeutend mit dem vierfachen âsola scriptura, sola fide, sola gratia, solus Christusâ Martin Luthers, der dafĂźr ebenfalls auf sich allein gestellt sein Leben gewagt hatte.
Damit begann der Widerstand gegen die Verquickung der christlichen Lehre mit nationalsozialistischem Gedankengut in der DEK. Ăberall im Reich verstreut entstanden nun âbekennende Gemeindenâ. Anfang 1934 traf sich der Notbund mit deren Vertretern, um fĂźr âdas Evangeliumâ einzutreten.
Bekenntnisgemeinschaft und Barmer Theologische Erklärung
MĂźller versuchte, die aufflammende Diskussion in der DEK mit einem âMaulkorberlassâ und vielen DisziplinarmaĂnahmen zu ersticken. Doch die Beschwerden Ăźber ihn wuchsen, so dass es am 25. Januar 1934 zu einem Treffen der KirchenfĂźhrer mit Hitler kam. Sie erklärten ihm ihre Loyalität; der Sturz MĂźllers blieb aus. Danach begann dieser, auch die Ăźbrigen Landeskirchen neu zu gliedern.
Daraufhin sammelten sich die innerkirchlichen Oppositionskräfte reichsweit. Im März schlossen sie sich zur âBekenntnisgemeinschaft der DEKâ zusammen und beauftragten einen âReichsbruderratâ mit ihrer Leitung. Dieser erhob bei einem Treffen in Ulm am 22. April gegen die von der DC âbesetzteâ DEK den Anspruch, ârechtmäĂige Evangelische Kirche Deutschlandsâ zu sein. Vom 29. bis 31. Mai fand dann in Barmen die 1. Bekenntnissynode statt, zu der Lutheraner, Reformierte und Unierte ihre Gemeindevertreter entsandten. Sie bildeten die âBekennende Kircheâ. In ihrer von Karl Barth verfassten GrĂźndungserklärung heiĂt es:
âJesus Christus, wie er uns in der heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hĂśren, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen haben. ⌠Wir verwerfen die falsche Lehre, als kĂśnne und mĂźsse die Kirche als Quelle ihrer VerkĂźndigung auĂer und neben diesem einen Wort Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen. ⌠Wir verwerfen die falsche Lehre, als dĂźrfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Ăberzeugung Ăźberlassen. ⌠Wir verwerfen die falsche Lehre, als kĂśnne und dĂźrfe sich die Kirche abseits von ihrem Dienst besondere, mit Herrschaftsbefugnissen ausgestattete FĂźhrer geben oder geben lassen. ⌠Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und kĂśnne der Staat Ăźber seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfĂźllen. ⌠Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und kĂśnne sich die Kirche Ăźber ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche WĂźrde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden. ⌠Wir verwerfen die falsche Lehre, als kĂśnne die Kirche in menschlicher Selbstherrlichkeit das Wort und das Werk des Herrn in den Dienst irgendwelcher eigenmächtig gewählter WĂźnsche, Zwecke und Pläne stellen.â
Die Position â das alleinige Christusbekenntnis â war die Basis fĂźr alle Negationen; diese stellten mit der âVerwerfungâ eine Irrlehre fest, die aus dem Raum der Kirche auszuschlieĂen sei. Sie vollzogen die Abgrenzung:
⢠zur Theologie der Deutschen Christen, aber auch zur liberalen Theologie, die âandere Gestaltenâ, zum Beispiel âVolkstumâ, âStaatâ, âBlutâ, âRasseâ, âFĂźhrerâ als GĂśtter neben Jesus Christus stellten,
⢠zur Politisierung der Kirche, wie sie die NS-Ideologie vorhatte,
⢠zum âFĂźhrerprinzipâ, das der Kirche von innen â durch vorauseilenden Gehorsam â oder auĂen â durch Gleichschaltung â aufgedrängt wurde,
⢠zum totalen Staat, der eine Weltanschauung vorgibt,
⢠zur Reichskirche als verlängertem Staatsorgan,
⢠zur Unterordnung der christlichen Verkßndigung unter irgendwelche gesellschaftlichen Interessen und Ansprßche.
Hier kam erstmals die dialektische Wort-Gottes-Theologie, die Barth seit 1918 entwickelt hatte, kirchenpolitisch und so indirekt auch politisch zum Tragen.
Um die situationsgerechte Deutung der Barmer Thesen kam es freilich danach zu Uneinigkeit auch in der BK. Das grĂśĂte Manko der Erklärung war das fehlende Bekenntnis zur unverbrĂźchlichen gesamtchristlichen Solidarität mit dem verfolgten Judentum. Dies wirkte sich verhängnisvoll aus: Direkten Widerstand gegen die StaatsmaĂnahmen gegen Juden, der spätestens nach den Novemberpogromen 1938 geboten war, Ăźbten nur ganz wenige Christen. Diese wurden auch von der Bekennenden Kirche kaum unterstĂźtzt. Nur Einzelne begriffen Widerstand gegen das NS-Regime als solches als unvermeidbare und notwendige Konsequenz des Glaubens aller Christen.
Von Barmen 1934 bis zur Verhaftung NiemĂśllers 1937
Kirchenspaltung
Die Barmer Erklärung fĂźhrte zunächst vor allem in den Gemeinden WĂźrttembergs und Bayerns zu verstärktem Widerstand gegen MĂźllers Eingliederungspolitik. In zahlreichen Einzelprozessen trat die Rechtswidrigkeit seines Vorgehens hervor. Als er sich am 23. September als âReichsbischofâ im Berliner Dom einfĂźhren lieĂ, hatte er sein Ziel einer staatlich gelenkten Einheitskirche verfehlt.
Die zweite Bekenntnissynode in Berlin-Dahlem verkĂźndete am 20. Oktober das fĂźr PreuĂen schon praktizierte âkirchliche Notrechtâ fĂźr die ganze DEK und bildete einen âReichsbruderratâ als Gegenpol zu den DC-KirchenfĂźhrern. Dies bedeutete praktisch eine eigene Verwaltung und damit eine Kirchenspaltung. MĂźllers âRechtsverwalterâ August Jäger trat am 26. Oktober zurĂźck. Die RĂźcktrittsforderungen an MĂźller häuften sich. Daraufhin hob der Staat die gesamte Kirchengesetzgebung des Jahres 1934 auf. Hitler empfing erneut einige BischĂśfe (Theophil Wurm, Hans Meiser, Marahrens) und signalisierte, dass er kein Interesse mehr an einer âReichskircheâ habe.
Die DEK war nun in mehrere Gruppen zerfallen, die mit ungeklärter Rechtslage nebeneinander bestanden:
⢠die bereits umstrukturierten, von âDeutschen Christenâ gefĂźhrten âBistĂźmerâ, die sich als Teil der Einheitskirche sahen,
⢠die âintaktenâ Landeskirchen (Hannover u. a.), die in der Einheitskirche blieben, aber MĂźller als FĂźhrer ablehnten,
⢠die âzerstĂśrtenâ Landeskirchen, deren âbekennende Gemeindenâ sich der Einheitskirche verweigerten,
⢠die BK, die sich als âwahreâ evangelische Kirche verstand und in der lutherische und reformierte Gemeinden vereint gegen die Gleichschaltung kämpften. Sie bildete zusammen mit den FĂźhrern der intakten Landeskirchen seit dem 20. November eine âVorläufige Kirchenleitungâ (VKL), die Anspruch auf die Gesamtleitung der DEK erhob.
In der VKL traten rasch Gegensätze im Verhalten zu den staatlichen KirchenbehĂśrden auf. Während die FĂźhrer der intakten Landeskirchen die Kontinuität zu den noch gĂźltigen preuĂischen Staatsverträgen wahren wollten und sich um staatliche Anerkennung mĂźhten, wollten die âradikalen Dahlemitenâ (darunter Dietrich Bonhoeffer) den Bruch mit der staatlichen Bevormundung als Konsequenz aus der Barmer Erklärung. Die Gegensätze fĂźhrten zum Austritt von Barth, NiemĂśller, Karl Immer und Hermann Albert Hesse aus dem Reichsbruderrat. Damit war die BK geschwächt und verlor trotz Anwachsens ihrer Gemeinden ihre Orientierung.
Spaltung der BK
1935 setzte eine erneute staatlich gefĂśrderte Propaganda in der DEK ein: Die âdeutsche Glaubensbewegungâ vertrat âneuheidnischeâ Ideen ähnlich denen der DC. Zugleich verbot MĂźller erneut die Ăśffentliche ErĂśrterung kirchenpolitischer Vorgänge. Pfarrer der BK, die dieses Verbot in Sonntagspredigten ignorierten, wurden vorĂźbergehend verhaftet. Die preuĂischen âFinanzabteilungenâ Ăźbernahmen die Kontrolle Ăźber die Kirchenverwaltung, und eine âBeschlussstelleâ zensierte den Rechtsweg fĂźr BK-Anhänger.
Die Bekenntnissynode der Kirche der AltpreuĂischen Union â der grĂśĂten in sich geschlossene evangelischen Teilkirche â die sich der BK angeschlossen hatte, gab daraufhin im März ein Wort an ihre Gemeinden heraus, in dem es hieĂ:
âWir sehen unser Volk von einer tĂśdlichen Gefahr bedroht. Die Gefahr besteht in einer neuen Religion. [âŚ] In ihr wird die rassisch-vĂślkische Weltanschauung zum Mythos. In ihr werden Blut und Rasse, Volkstum, Ehre und Freiheit zum Abgott.â
Der Rassismus als totalitäre Weltanschauung wurde abgelehnt, aber zu seinen konkreten Folgen fßr die Juden schwieg man weiterhin.
Am 4. bis 6. Juni tagte die dritte Bekenntnissynode der BK in Augsburg: Sie vermied den Bruch mit den KirchenbehĂśrden und folgte der konservativen Linie der lutherischen Landeskirchen. Aber sie beauftragte den Reichsbruderrat mit der DurchfĂźhrung ihrer BeschlĂźsse, so dass NiemĂśller, Hesse und Immer wieder in die VKL eintraten.
Am 16. Juli setzte Hitler Hanns Kerrl als Minister fĂźr kirchliche Angelegenheiten ein. Ein Gesetz vom 24. September sollte die Einheit der DEK âsichernâ und diente in den nächsten Jahren zur Legitimation zahlreicher Verordnungen. Ein neu eingerichteter âReichskirchenausschussâ (RKA) unter Wilhelm Zoellner Ăźbernahm die Leitung der DEK anstelle MĂźllers und erhielt daher im Folgejahr zunehmend UnterstĂźtzung seitens der intakten Landeskirchen sowie einiger BK-Bruderräte.
Folglich spaltete sich die BK auf der vierten Bekenntnissynode der DEK in Bad Oeynhausen vom 17. bis 22. Februar 1936. Die erste VKL trat geschlossen zurĂźck; eine neue, so genannte âZweite VKLâ wurde am 12. März vom Reichsbruderrat berufen. Es kam zu einer konfessionellen Lagerbildung: Die noch intakten lutherischen Landeskirchen Bayerns und WĂźrttembergs bildeten am 18. März mit den lutherischen Bruderräten der BK zusammen einen âRat der Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlandsâ (Lutherrat).
Der Widerstand gegen staatliche Ăbergriffe wurde nun von der neuen VKL und der altpreuĂischen BK getragen. Diese gab am 4. Juni eine âDenkschriftâ an Hitler heraus, die in bis 1945 nie wieder erreichter Klarheit und Einfachheit das Handeln des totalitären Staates anprangerte und diese Kritik theologisch begrĂźndete:
âWenn hier Blut, Rasse, Volkstum und Ehre den Rang von Ewigkeitswerten erhalten, so wird der evangelische Christ durch das 1. Gebot gezwungen, diese Bewertung abzulehnen. [âŚ] Wenn dem Christen im Rahmen der nationalsozialistischen Weltanschauung ein Antisemitismus aufgedrängt wird, der zum JudenhaĂ verpflichtet, so steht fĂźr ihn dagegen das christliche Gebot der Nächstenliebe.â
Der kirchliche Auftrag setze dem christlichen Gehorsam gegen die Obrigkeit Grenzen: Wo diese versuche, die VerkĂźndigung des Evangeliums zu verhindern, da drohe sie, die Arbeit der Kirche, ja diese selbst zu zerstĂśren. â Die Konsequenz, nämlich der dann nĂśtige direkte Widerstand der Christen gegen den Staat, war deutlich, blieb aber unausgesprochen.
Die Denkschrift sollte geheim bleiben, wurde im Ausland bekannt und dort verÜffentlicht. Sie wurde dann allen bekennenden Gemeinden fßr den 23. August als Kanzelabkßndigung empfohlen, wobei die obigen besonders kritischen Sätze fehlten. Am 30. August wurde sie tatsächlich von vielen Pfarrern von den Kanzeln verlesen. Eine Welle von Verhaftungen wegen Landesverrats war die Folge. Allein 1937 wurden fast 800 Pfarrer und Kirchenjuristen der Bekennenden Kirche vor Gericht gestellt.
Dennoch distanzierte sich der konservative FlĂźgel der BK sofort von diesem âHochverratâ. Am 20. November 1936 erklärte er:
âWir stehen mit dem RKA hinter dem FĂźhrer im Lebenskampf des deutschen Volkes gegen den Bolschewismus.â
Dieser Antikommunismus war das entscheidende ideologische Bindeglied zwischen lutherisch-deutschnational geprägten Christen aller Lager und dem NS-Regime, der zusammen mit der traditionellen lutherischen Obrigkeitsbindung einen weitergehenden gesamtkirchlichen Widerstand verhinderte. Nur eine Minderheit auch in der BK selbst lehnte die Zusammenarbeit mit dem Regime ab.
Doch auch die DC spaltete sich in einen gemäĂigten FlĂźgel, der mit dem RKA zu kooperieren bereit war, und die radikale Gruppe âNationalkirchliche Einungâ,cite-ref-21[21] deren Zentrum die Landeskirche ThĂźringen war. Diese propagierte eine kirchenfeindliche âEntkonfessionalisierungâ, um den Bezug auf das christliche Glaubensbekenntnis als Verfassungsgrundlage der evangelischen Kirchen und ihren Ăśffentlichen Einfluss auszuhebeln. Sowohl der RKA als auch Reichskirchenminister Kerrl versuchten erfolglos dagegen vorzugehen. Dies stärkte in der BK den Verdacht, dem Staat ginge es tatsächlich nicht um Erhaltung, sondern âorganisatorische VerkĂźmmerungâ (Alfred Rosenberg) und kĂźnftige Beseitigung der Kirchen. Unter Berufung auf die erste These der Barmer Erklärung verweigerte die VKL daher weiterhin jede Zusammenarbeit mit dem RKA.
Verhältnis der Ăkumene zur BK
In die innenpolitische Auseinandersetzung um Organisation und Rechte der Kirchen spielten die Beziehungen der DEK zur Ăkumene hinein: Diese hatte die BK schon 1934 als âeineâ Vertretung der DEK anerkannt und mit ihr Kontakt hergestellt, indem sie Präses Koch zum Mitglied des Ăkumenischen Rates fĂźr praktisches Christentum berief. Die Ăśkumenische Bewegung war jedoch nach ihrem Selbstverständnis nicht in der Lage, eine Entscheidung zugunsten der BK und gegen die âamtlicheâ Kirche zu treffen. Das ermĂśglichte es dem Kirchlichen AuĂenamt unter Theodor Heckel, Einfluss auf die Ăśkumenische Entwicklung zu behalten. Es gelang der BK trotz persĂśnlicher Kontakte nicht, eine eigene Auslandsarbeit aufzubauen. Entgegen den Protesten Bonhoeffers u. a. wurden auf der Ăśkumenischen Ratstagung in Chamby auch Vertreter des RKA eingeladen. Auf den Nachfolgekonferenzen in Oxford und Edinburgh 1937 blieben die BK-Vertreter trotz Einladung fern, da sie Ămterverlust und Haft fĂźrchten mussten. Als auch Zoellner an der Ausreise gehindert wurde, trat er am 12. Februar 1937 zurĂźck. Damit war auch das staatliche âVermittlungsangebotâ des RKA gescheitert.
Verschärfte StaatsmaĂnahmen und GegenmaĂnahmen der BK
Sein Nachfolger Hermann Muhs, ein NSDAP-Mitglied, trat ad hoc wieder in die Kirche ein, um diese anhand von Verordnungen zu lenken. Ein Erlass Hitlers vom 15. Februar zu Neuwahlen zur Generalsynode der DEK blieb unausgefßhrt. Eine Konferenz der Landeskirchenfßhrer konnte sich nicht auf eine gemeinsame neue Leitung der DEK einigen. Muhs begann nun, die noch bestehenden Kirchenverwaltungen aufzulÜsen, während BK und Lutherrat ihre je eigene Verwaltung aufbauten.
Zugleich verbot Heinrich Himmler die Ausbildung von Pastoren durch die BK; diese wurde jedoch illegal fortgesetzt. Dazu war schon 1935 in Elberfeld (heute zu Wuppertal) die geheime âKirchliche Hochschuleâ gegrĂźndet worden. Von Fall zu Fall gab die VKL illegal gedruckte Stellungnahmen zu Tagesthemen heraus: darunter auch zur Verfolgung von politischen Systemgegnern und Juden, Rassenideologie und Kriegsgefahr.
Dies fĂźhrte am 1. Juli 1937 zur Verhaftung Martin NiemĂśllers, des âinoffiziellenâ Leiters der BK. Im März 1938 fand sein Prozess statt; obwohl ihm keine Staatsgegnerschaft nachgewiesen werden konnte, wurde er danach als Hitlers âpersĂśnlicher Gefangenerâ ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, wo er bis zum Kriegsende Ăźberlebte. Dazu halfen auch Proteste aus dem Ausland, die vor allem der anglikanische Lordbischof George Bell in GroĂbritannien veranlasste. Er hatte damals den Vorsitz des Ăśkumenischen Rates Life and Work inne und war eng mit Bonhoeffer befreundet, von dem er ständig mit aktuellen Nachrichten aus dem Deutschen Reich versorgt wurde. Diese internationalen Beziehungen zwischen BK und Ăkumene konnten in Einzelfällen Leben retten.
Von Juli 1937 bis Kriegsbeginn
Im Oktober wurde ein anderer BK-Aktivist der ersten Stunden verhaftet: Paul Schneider, der im KZ als âPrediger von Buchenwaldâ bekannt wurde. Er hatte die NS-Weltanschauung von Anfang an kompromisslos abgelehnt und sich mit den verfolgten Juden solidarisiert. Noch aus der Einzelzelle widersprach er mit Zurufen und Ermutigungen an die Häftlinge dem NS-Terror mit dem Verweis auf das Evangelium. Er wurde am 18. Juli 1939 im KZ Buchenwald ermordet. Dietrich Bonhoeffer bezeichnete ihn als ersten christlichen Märtyrer im Kampf gegen den Nationalsozialismus.
Im Juli 1937 suchten VKL, KirchenfĂźhrerkonferenz und Lutherrat nochmals einen Konsens Ăźber die Leitung der BK herzustellen. Sie verabschiedeten am 31. Oktober 1937 aber nur eine weitere Denkschrift gegen Rosenbergs antikirchliche Hetzschriften âDunkelmännerâ und âRompilgerâ. Am 10. Dezember verordnete Kerrl den âzerstĂśrtenâ Landeskirchen und der DEK insgesamt einen neuen Leiter, den Präsidenten des altpreuĂischen Evangelischen Oberkirchenrats Friedrich Werner.
Nach dem Anschluss Ăsterreichs kam es zu neuen Spannungen in der DEK. Darauf verlangte das Kirchenministerium Kerrls von sämtlichen Pfarrern am 20. April 1938 einen âTreueidâ auf âden FĂźhrerâ. Diesen abzulegen wurde von den meisten Landeskirchen, auch der preuĂischen BK, unterstĂźtzt. Später stellte sich heraus, dass die Anordnung dazu nicht von Hitler selbst kam. â Ab Juli versuchte Kerrl auĂerdem, die von MĂźller und Zoellner eingeleitete Verwaltungsreform durchzusetzen.
Als die VKL aus Anlass der Tschecheikrise am 30. September eine âGebetsliturgieâ herausgab, in der sich eine FĂźrbitte fĂźr die Tschechen versteckte, veranlasste Kerrl die BischĂśfe der intakten Landeskirchen zum Bruch mit der BK âaus religiĂśsen und vaterländischen GrĂźnden.â Dahinter stand vor allem Karl Barths Brief an Josef HromĂĄdka, den tschechischen Leiter der Theologischen Fakultät an der Karls-Universität Prags: Darin forderte Barth alle Tschechen zu bewaffnetem Widerstand gegen den Einmarsch der Nationalsozialisten auf und begrĂźndete dies ausdrĂźcklich als auch fĂźr die Kirche notwendigen Widerstand, der aus dem 1. Gebot folge.
Dies lehnte sogar die VKL nun als âpolitischâ ab. Damit hatte die BK die Verbindung zu den Landeskirchen verloren und geriet in ihre schwerste Krise. Zugleich lehnte Kerrl neue Einigungsangebote der KirchenfĂźhrerkonferenz ab und bildete im April 1939 stattdessen eine âEinheitsfrontâ aus ThĂźringer DC und gemäĂigten Landeskirchenvertretern. Ihr Ziel blieb die âNationalkircheâ. Darauf lieĂen sich nun auch die BischĂśfe von Hannover, Braunschweig und Kurhessen-Waldeck ein. Nur die Bruderräte der BK und die Kirchen Bayerns und WĂźrttembergs lehnten den VorstoĂ klar ab und wurden daraufhin fast aus dem Lutherrat ausgeschlossen.
Werner stellte die Arbeit der KirchenbehĂśrden auf das Grundsatzprogramm der âNationalkircheâ um und besetzte Stellen, verhängte Disziplinarstrafen, bestimmte Kirchensteuervergabe und Kollektenzwecke nach diesem Ziel. Dagegen protestierte die 8. PreuĂische Bekenntnissynode in Steglitz am 21. und 22. Mai. Kerrl versuchte zu vermitteln, indem er diese MaĂnahmen teilweise wieder einschränkte. Am 29. August bildete er fĂźr die DEK einen âGeistlichen Vertrauensratâ, der die theologische Leitung erhalten und dessen Vertreter die Kirchen selbst bestimmen sollten, während die Finanzverwaltung komplett von Staats- und DC-Vertretern ausgeĂźbt wurde. Aber der Zerfallsprozess der DEK war nun nicht mehr aufzuhalten.
Erste Kriegshälfte
Ab Kriegsbeginn gab der Vertrauensrat, dem Marahrens angehÜrte, fast nur noch patriotische Aufrufe heraus. Ein Amnestie-Erlass fßr laufende Kirchenrechtsprozesse und Verfahren gegen kirchliche Mitarbeiter sollte die DEK-Mitglieder während des Krieges beruhigen. Die antichristliche Propaganda der NSDAP, die schon auf dem Reichsparteitag in Nßrnberg offenkundig war, hielt indes an.
Seit 1937, vor allem zwischen 1939 und 1945 wurden die VKL, die Bruderräte und zahlreiche, zum Teil auch nicht zur BK gehĂśrige Pfarrer von den Landeskirchen und der Gestapo häufiger gemaĂregelt. Schärfere Ăbergriffe des Staates suchte die BK mittels FĂźrbittelisten in den Gemeinden bekannt zu machen.
Seit Kriegsbeginn wurde der Teil der evangelischen Kirche, der nicht den Deutschen Christen angehÜrte, durch die gezielte Einberufung systemkritischer Christen zum Kriegsdienst geschwächt. In dieser Situation ßbernahmen vielerorts Frauen, insbesondere Pfarrfrauen, erstmals in der evangelischen Kirchengeschichte Aufgaben in Verkßndigung und Gemeindeleitung.
1940 begann die als âkriegsbedingtâ angeordnete âEuthanasieâ, die Aktion T4, von âlebensunwertem Lebenâ in zu TĂśtungsanstalten umfunktionierten Anstalten, darunter auch beschlagnahmte Einrichtungen der Diakonie. Hier protestierten auf evangelischer Seite die BischĂśfe Theophil Wurm, Friedrich von Bodelschwingh und Pfarrer Paul Braune in Lobetal, auf katholischer Seite Bischof Clemens August Graf von Galen, die damit teilweise Erfolg hatten.
Am 6. Juni 1941 erging ein Geheimerlaà von Martin Bormann an alle Gauleiter, der die restlose Beseitigung aller kirchlichen EinflussmÜglichkeiten forderte, betitelt: Das Verhältnis von Nationalsozialismus zum Christentum:
âNationalsozialistische und christliche Auffassungen sind unvereinbar. [âŚ] Unser nationalsozialistisches Weltbild steht weit hĂśher als die Auffassungen des Christentums, die in ihren wesentlichen Punkten vom Judentum Ăźbernommen worden sind. Auch aus diesem Grunde bedĂźrfen wir des Christentums nicht. [âŚ] Wenn also unsere Jugend kĂźnftig einmal von diesem Christentum, dessen Lehren weit unter den unseren stehen, nichts mehr erfährt, wird das Christentum von selbst verschwinden. [âŚ] Aus der Unvereinbarkeit nationalsozialistischer und christlicher Auffassungen folgt, daĂ eine Stärkung bestehender und jede FĂśrderung entstehender christlicher Konfessionen von uns abzulehnen ist. Ein Unterschied zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen ist hier nicht zu machen. Aus diesem Grund ist daher auch der Gedanke einer Errichtung einer evangelischen Reichskirche unter ZusammenschluĂ der verschiedenen evangelischen Kirchen endgĂźltig aufgegeben worden, weil die evangelische Kirche uns genau so feindlich gegenĂźbersteht wie die katholische Kirche. Jede Stärkung der evangelischen Kirche wĂźrde sich lediglich gegen uns auswirken. [âŚ] Zum ersten Male in der deutschen Geschichte hat der FĂźhrer bewuĂt und vollständig die VolksfĂźhrung selbst in der Hand. Mit der Partei, ihren Gliederungen und angeschlossenen Verbänden hat der FĂźhrer sich und damit der deutschen ReichsfĂźhrung ein Instrument geschaffen, das ihn von der Kirche unabhängig macht. Alle EinflĂźsse, die die durch den FĂźhrer mit Hilfe der NSDAP ausgeĂźbte VolksfĂźhrung beeinträchtigen oder gar schädigen konnten, mĂźssen ausgeschaltet werden. Immer mehr muĂ das Volk den Kirchen und ihren Organen, den Pfarrern, entwunden werden. Selbstverständlich werden und mĂźssen die Kirchen, von ihrem Standpunkt betrachtet, sich gegen diese MachteinbuĂe wehren. Niemals aber darf den Kirchen wieder ein EinfluĂ auf die [70] VolksfĂźhrung eingeräumt werden. Dieser muĂ restlos und endgĂźltig gebrochen werden. Nur die ReichsfĂźhrung und in ihrem Auftrag die Partei, ihre Gliederungen und angeschlossenen Verbände haben ein Recht zur VolksfĂźhrung. Ebenso wie die schädlichen EinflĂźsse der Astrologen, Wahrsager und sonstigen Schwindler ausgeschaltet und durch den Staat unterdrĂźckt werden, muĂ auch die EinfluĂmĂśglichkeit der Kirche restlos beseitigt werden. Erst, wenn dieses geschehen ist, hat die StaatsfĂźhrung den vollen EinfluĂ auf die einzelnen Volksgenossen. Erst dann sind Volk und Reich fĂźr alle Zukunft in ihrem Bestande gesichert.âcite-ref-22[22]
Der innerkirchliche Schriftverkehr wurde wegen angeblichen kriegsbedingten âPapiermangelsâ fast eingestellt. Die Amtshandlungen Taufe, Trauung, Konfirmation, Beerdigung sollten durch Parteifeiern ersetzt werden, was sich aber nur bedingt durchsetzen lieĂ. Verpflichtende Veranstaltungen der Hitler-Jugend (HJ) und des Deutschen Jungvolks wurden daher gezielt auf den Sonntagvormittag gelegt, um Kinder und Jugendliche vom Kirchgang abzuhalten. Während der Gottesdienste fanden Ăbungen der HJ direkt neben Kirchen statt.
Kirche und Juden
Zur Reichspogromnacht am 9. November 1938 fanden weder die DEK-Leitung noch die VKL ein Wort des Protestes. Nur einzelne Pastoren wie Helmut Gollwitzer, der Nachfolger NiemĂśllers in Berlin-Dahlem, und Julius von Jan in WĂźrttemberg bezogen in ihren Predigten dagegen Stellung. Sie wurden wegen âvolksfeindlicher Hetzeâ angeklagt. Nicht die Juden, aber ihre vom Staat drangsalierten FĂźrsprecher nahm die BK dann in ihre FĂźrbitte auf. Bischof Wurm schrieb dem Reichsjustizminister, er bestreite keinesfalls das Recht des Staates, die Juden als âgefährliches Elementâ zu bekämpfen; aber dass âunter den Augen der BehĂśrden Handlungen wie Brandstiftung und kĂśrperliche Misshandlung, teilweise auch Diebstahl geschehen durftenâ, bedrĂźcke die BevĂślkerung schwer. Von den zahlreichen Morden in der Pogromnacht schwieg er ebenso wie von der Inhaftierung von 30.000 Juden in Konzentrationslager ab dem 10. November 1938.
Ab Dezember 1938 begann das BĂźro GrĂźber im Auftrag der BK, verfolgten evangelischen âNichtariernâ, sogenannten Judenchristen, bei Rechts- und Schulfragen und der Ausreise zu helfen. Dazu bildete sich ein Netz von 22 Hilfestellen in 20 grĂśĂeren Städten. Diese arbeiteten eng mit ähnlichen Hilfsstellen der katholischen Kirche, den Quäkern und der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland zusammen.
Um den âjĂźdischen Einflussâ aus der Theologie und der Bibel âauszumerzenâ, wurde im Mai 1939 in Eisenach ein Institut zur Erforschung und Beseitigung des jĂźdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben gegrĂźndet. Daneben bestanden seit 1934 ein Institut zur Erforschung der Judenfrage sowie ein Institut zum Studium der Judenfrage.
Das Jahr 1941 brachte fĂźr die BK härtere Herausforderungen und Verfolgungen. Die âNationalkircheâ, der die Leiter von sieben âintakten Landeskirchenâ angehĂśrten â Sachsen, Hessen-Nassau, Mecklenburg, Schleswig-Holstein, Anhalt, ThĂźringen und LĂźbeck â entfernte am 17. Dezember 1941 alle getauften Juden, ob Mitarbeiter oder einfache Gemeindeglieder, aus ihren Kirchen und wandte damit den Arierparagraphen im kirchlichen Bereich umfassend an:
âBekanntmachung Ăźber die kirchliche Stellung evangelischer Juden vom 17. Dezember 1941: Die nationalsozialistische deutsche FĂźhrung hat mit zahlreichen Dokumenten unwiderleglich bewiesen, daĂ dieser Krieg in seinen weltweiten AusmaĂen von den Juden angezettelt worden ist. Sie hat deshalb im Innern wie nach auĂen die zur Sicherung des deutschen Lebens notwendigen Entscheidungen und MaĂnahmen gegen das Judentum getroffen. Als Glieder der deutschen Volksgemeinschaft stehen die unterzeichneten deutschen evang. Landeskirchen in der Front dieses historischen Abwehrkampfes, der u. a. die Reichspolizei-Verordnung Ăźber die Kennzeichnung der Juden als der geborenen Welt- und Reichsfeinde notwendig gemacht hat, wie schon Dr. Martin Luther nach bitteren Erfahrungen die Forderung erhob, schärfste MaĂnahmen gegen die Juden zu ergreifen und sie aus deutschen Landen auszuweisen. Von der Kreuzigung Christi bis zum heutigen Tage haben die Juden das Christentum bekämpft oder zur Erreichung ihrer eigennĂźtzigen Ziele miĂbraucht und verfälscht. Durch die christliche Taufe wird an der rassischen Eigenart eines Juden, seiner VolkszugehĂśrigkeit und seinem biologischen Sein nichts geändert. Eine deutsche evangelische Kirche hat das religiĂśse Leben deutscher Volksgenossen zu fĂśrdern. RassejĂźdische Christen haben in ihr keinen Raum und kein Recht. Die unterzeichneten deutschen evangelischen Kirchenleiter haben deshalb jegliche Gemeinschaft mit Judenchristen aufgehoben. Sie sind entschlossen, keinerlei EinflĂźsse jĂźdischen Geistes auf das deutsche religiĂśse und kirchliche Leben zu dulden.âcite-ref-23[23]
Diese Menschen standen damit, wie alle Ăźbrigen Juden auch, zur Deportation zur VerfĂźgung.cite-ref-24[24] Ein Widerspruch dagegen kam von 27 Pastoren der BK in Sachsen-Anhalt und von 131 aus Mecklenburg, denn der Ausschluss von Judenchristen setze das OrdinationsgelĂźbde und die Einheit der Kirche auĂer Kraft. Der ĂRK protestierte ebenfalls und betonte mit Hinweis auf Joh 4,22 , dass das Heil von den Juden kommt, da Jesus Christus der Messias Israels sei. Das Kirchliche AuĂenamt der DEK wies dies zurĂźck und forderte darĂźber hinaus die sofortige RĂźcknahme dieser Erklärung. Damit lagen die âgemäĂigtenâ Lutheraner in den sog. âintaktenâ Landeskirchen bezĂźglich der Menschen jĂźdischer Herkunft mit den DC auf einer gemeinsamen, rassistischen Linie.
Auch die VKL, der wĂźrttembergische Landesbischof Wurm und der wĂźrttembergische Oberkirchenrat protestierten gegen den Ausschluss der Judenchristen. Die Entlassung sei âmit dem Bekenntnis der Kirche unvereinbarâ. Der Taufbefehl Jesu Christi kenne keine Schranken der Rasse; nach diesem Gesetz hätten auch alle Apostel und Jesus selber aus der Kirche ausgeschlossen werden mĂźssen. Die Stärke des Protests war jedoch, jetzt im Krieg und nach der Kirchenspaltung, bei weitem nicht mit den Protesten von 1933 vergleichbar.
18 Pfarrer der BK fanden in KZs den Tod oder wurden zum Beispiel bei VerhĂśren ermordet. Auch die Leiter des HilfsbĂźros fĂźr Juden und Judenchristen, Heinrich GrĂźber und sein Nachfolger Werner Sylten, ein Christ jĂźdischer Herkunft, wurden nacheinander 1940 und 1941 ins KZ gesperrt. Sylten wurde am 26. Februar 1942 in der Euthanasie- und NS-TĂśtungsanstalt Hartheim bei Linz ermordet; wahrscheinlich wurde er zusammen mit Juden vergast. Ab 1942 wurden auch die in âMischehenâ lebenden Judenchristen verfolgt; die HilfsbĂźros intensivierten daher ihre Beratungstätigkeit. 1944 stellte sich jedoch heraus, dass einer ihrer leitenden Mitarbeiter, Erwin Goldmann, ein Spitzel der SS war; daraufhin wurden die BĂźros geschlossen.
Seit der Wannseekonferenz vom Januar 1942 sprach sich das GerĂźcht von Vernichtungslagern im Osten allmählich im Reich herum. Bischof Wurm schwieg dazu in der Ăffentlichkeit und sprach der staatlichen Judenverfolgung als solcher weiterhin nicht die Legitimität ab. Aber er stellte nun in zahlreichen Briefen und Eingaben an NS-BehĂśrden das Unrecht fest:
âDas TĂśten ohne Kriegsnotwendigkeit und ohne Urteilsspruch widerspricht auch dann dem Gebot Gottes, wenn es von der Obrigkeit angeordnet wird.â
Im Juli 1943 schrieb er an Hitler persĂśnlich, er mĂśge der âVerfolgung und Vernichtungâ der âNichtarierâ wehren:
âDiese Absichten stehen, ebenso wie die gegen die anderen Nichtarier ergriffenen VernichtungsmaĂnahmen, im schärfsten Widerspruch zu dem Gebot Gottes.â
Es sei sonst zu befĂźrchten, dass auch die âprivilegierten Arierâ in gleicher Weise behandelt wĂźrden. Manchmal wird interpretiert, Wurm erwecke so den Eindruck, âder FĂźhrerâ habe von den Vernichtungslagern ânichts gewusstâ.
Die altpreuĂische Bekenntnissynode betonte bei ihrer Breslauer Jahrestagung am 17. Oktober 1943 hingegen grundsätzlich, Gottes Gebot âDu sollst nicht mordenâ gelte auch im Krieg. Das betreffe auch âdie indirekte Art des TĂśtens, die dem Nächsten den Raum zum Leben nimmtâ, zum Beispiel durch âHinterziehung von Lebensmitteln und Kleidungâ. Gottes Rechtsordnung kenne keine Begriffe wie âAusmerzenâ, âLiquidierenâ und âunwertes Lebenâ:
âVernichtung von Menschen, lediglich weil sie AngehĂśrige eines Verbrechers, alt oder geisteskrank sind oder einer anderen Rasse angehĂśren, ist keine FĂźhrung des Schwertes, das der Obrigkeit von Gott gegeben ist.â
Zum BuĂ- und Bettag schrieb diese Synode ihren Gemeinden:
âWehe uns und unserem Volk, ⌠wenn es fĂźr berechtigt gilt, Menschen zu tĂśten, weil sie fĂźr lebensunwert gelten oder einer anderen Rasse angehĂśren, wenn Hass und Unbarmherzigkeit sich breit machen.â
Diese beiden Worte waren bis zum Kriegsende die einzigen Ăśffentlichen Stellungnahmen aus der BK zum Holocaust. Auch sie nannten die Juden nicht direkt und stellten den Rasse-Begriff als solchen nicht in Frage, waren aber deutlich in Bezug auf das Unrecht der rassisch begrĂźndeten Vernichtung.
Zweite Kriegshälfte
Im besetzten Warthegau (Posen) stellte Alfred Rosenberg nun im Staatsauftrag die Kirchenstruktur probeweise auf ein Vereinsrecht um. Etwa 2.000 polnische katholische Priester wurden inhaftiert, wovon etwa 1.300 in deutschen KZs starben oder ermordet wurden.
Als Kerrl am 14. Dezember 1941 starb, erhielt Muhs mehr Macht ßber die Finanzverwaltung der DEK. Er lieà viele Pfarrergehälter einfrieren, so dass vor allem BK-Mitarbeiter ihre Stellen verloren und nur mßhsam durch freiwillige Spenden weiterarbeiten konnten. In dieser Phase entstanden in den bekennenden Gemeinden neue Formen einer eigenständigen Verkßndigungsarbeit mit illegalen Predigthilfen, Unterweisungspapieren fßr den Konfirmandenunterricht, die Jugendarbeit usw. Ein Teil der illegal arbeitenden BK-Pastoren erhielt durch Versetzung legale neue Stellen in der DEK.
Ab 1943 lieà sich die gesamte Arbeit nur noch mit Laien aufrechterhalten, die nun erstaunliche Aktivität entfalteten. Vikare wurden mit vollen Amtsrechten ausgestattet. Im Herbst 1944 kam es zu einer organisatorischen Annäherung zwischen den noch existierenden Resten der BK und der Kirchenfßhrerkonferenz, die den Keim zur Neuordnung der evangelischen Kirche nach Kriegsende legte.
Eine besondere Rolle spielte Dietrich Bonhoeffer im Kirchenkampf: Er vertrat in der illegalen Ausbildung des Pfarrernachwuchses der BK im Predigerseminar Finkenwalde eine strenge Christusnachfolge, nahm aber zugleich schon seit 1937 an der konspirativen Vorbereitung des Tyrannenmordes an Hitler teil. Sein Motiv war â anders als bei den meisten im Kreisauer Kreis vertretenen Widerständlern um Hans Oster und Hans von Dohnanyi â der Holocaust. Daher befĂźrwortete er auch den Einsatz von Gewalt gegen die staatliche Obrigkeit. Die Leitung der BK schloss ihn nach seiner Inhaftierung nicht in die Gebete fĂźr die im Gefängnis sitzenden Mitglieder der BK ein und distanzierte sich nach Bekanntwerden von Bonhoeffers Beteiligung am Attentat vom 20. Juli 1944 strikt von ihm.
âBiblischer Ungehorsamâ
Neben jenen, die im Kirchenkampf mehr oder weniger Ăśffentlich handelten, gab es vielerorts einen biblisch geprägten Ungehorsam. Gerade im pietistischen Umfeld und im Bereich des CVJM fanden in einer Reihe von Gemeinden bis zum FrĂźhjahr 1945 Bibelstunde und Jugendarbeit in der Illegalität statt. Doch bereits vor dem Krieg kam es zum Ungehorsam einzelner. Ein Beispiel war Theodor Roller aus TĂźbingen. Als Christ verweigerte er konsequent den Fahneneid auf Hitler und bezeichnete Hitler als LĂźgner. Roller wurde deshalb fĂźr sechs Jahre in die psychiatrische Heilanstalt WeiĂenau eingewiesen.cite-ref-25[25]
Folgen
In Deutschland
Bereits am 17. Juli 1945 verfasste die Leitung der Evangelischen Kirche der Rheinprovinz ein Schreiben an die bisherigen âillegalenâ Pastoren und Vikare der Bekennenden Kirche, die sich zum Teil noch in Kriegsgefangenschaft befanden, an deren letzte Dienstanschrift Ăźber die Superintendenten, in dem deren bisheriger âDienst in der Rheinischen Kircheâ in einer Bescheinigung fĂźr rechtmäĂig erklärt und âder Akt, durch den sie im Jahre 1934 seitens des damaligen Konsistoriums auĂer Verwendung gesetzt wurden, [âŚ] fĂźr unrechtmäĂig erklärtâ wird. Auch das Gehalt sollte ab sofort wieder Ăźber die Kirchenkasse laufen.
Mit dem Stuttgarter Schuldbekenntnis vom Oktober 1945 versuchten die evangelischen Landeskirchen eine Grundlage fĂźr einen gemeinsamen Neuanfang zu finden. Dabei ĂźberlieĂen die BesatzungsbehĂśrden den Kirchen die interne Entnazifizierung selber, so dass es in den ersten Nachkriegsjahren zu einer verbreiteten Rehabilitationswelle fĂźr Mitläufer und ehemalige Nationalsozialisten unter den Christen kam. Das Darmstädter Wort von 1947 wurde rasch vergessen und fand in der EKD keine Breitenwirkung.
In der Evangelischen Kirche Essen-Werden findet sich ein bemerkenswertes Fenster, das Kirchenkampffenster, das von den ehemaligen Mitgliedern der Bekennenden Gemeinde nach ihrer Rßckkehr in die nicht mehr von den Deutschen Christen beherrschte Kirchengemeinde gestiftet wurde. Es enthält den Hinweis auf 1 Tim 6,12 .cite-ref-26[26]cite-ref-27[27]
In ekklesiologischer Hinsicht bedeutet der Kirchenkampf einen Wendepunkt des evangelischen Kirchen- und Rechtsverständnis. Hatte man in groĂen Teilen der evangelischen Theologie bisher streng zwischen der Kirche als âGemeinschaft der Heiligenâ (Dritter Glaubensartikel), als âLeib Christi auf Erdenâ (1 Kor 12,12f ) einerseits und der verfassten Kirche andererseits unterschieden und letzterer sogar wegen ihrer Verrechtlichung die Kirchenqualität abgesprochen, so gewann mit dem Kampf gegen die Gleichschaltung und die Deutschen Christen die Ăberzeugung an Bedeutung, dass es fĂźr die Kirche sehr wohl von groĂer Wichtigkeit ist, wer in welchem Geist die Landeskirchen fĂźhrt. Das Kirchenverständnis der evangelischen Kirchen geht seitdem einen Mittelweg zwischen dem katholischen Verständnis, nach dem das Recht fĂźr die Kirche konstitutiv ist, und einem gänzlich vergeistigten Kirchenbegriff.
1955 berief der Rat der EKD eine âKommission fĂźr die Geschichte des Kirchenkampfes in der nationalsozialistischen Zeitâ. Sie hatte zunächst zwei Aufgaben: Gesamtkirchlich eine BrĂźcke zwischen Mitgliedern der âradikalenâ und âgemäĂigtenâ Bekennenden Kirche bilden und gleichzeitig durch die Sammlung von Aktenbeständen, den Aufbau einer Bibliothek und die Herausgabe der âArbeiten zur Geschichte des Kirchenkampfesâ eine erste, wissenschaftliche Basis fĂźr die Erforschung der Kirchenkampfzeit legen. â Bald erweiterte sich der zeitliche Forschungshorizont der Kommission auf die Zeit der Weimarer Republik und die Rolle des Protestantismus in der Nachkriegszeit. Das manifestierte sich in der 1971 erfolgten Umbenennung in âEvangelische Arbeitsgemeinschaft fĂźr Kirchliche Zeitgeschichteâ. SchlieĂlich wurde die Rolle des Protestantismus in der DDR-Geschichte mit in den Blick genommen.cite-ref-28[28]
Martin NiemĂśller fasste das Geschehen in der Zeit des Kirchenkampfes der Bekennenden Kirche 1976 so zusammen:
âAls die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.âcite-ref-st-hr-29-0[29]
Seine und die Schuld der Kirche beschreibt er mit den Worten: âWir haben uns noch nicht verpflichtet gefĂźhlt, fĂźr Leute auĂerhalb der Kirche irgendetwas zu sagen⌠so weit waren wir noch nicht, dass wir uns fĂźr unser Volk verantwortlich wussten.âcite-ref-st-hr-29-1[29]
Das Kontrollratsgesetz Nr. 62 hob die gesetzlichen Ănderungen des Jahres 1935 auf.
In Ăsterreich
Im Zweiten Weltkrieg wurden die gotischen Glasfenster in der Grazer Stadtpfarrkirche zerstÜrt. Mit der Neugestaltung wurde Albert Birkle, ein Salzburger Kßnstler, dessen Kunst im Dritten Reich als entartet galt, beauftragt. Seine Hauptthemen waren die Auferstehung und das Leiden Jesu, doch seine Glasfenster wurden in den 1950er Jahren zum Skandal, denn sie zeigen Hitler und Mussolini an der Seite der Peiniger Christi. Sie ist, neben der Stiftsbasilika St. Martin in Landshut (Hitler, GÜring und Goebbels als Folterknechte des heiligen Kastulus)cite-ref-30[30] und der Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul in Weil der Stadt (Hitler als Versucher Christi), eine der wenigen Kirchen, in der eine dargestellte Figur die Gesichtszßge Hitlers trägt.
In der Ăkumene
Gerade durch die Ăśkumenischen Aktivitäten Dietrich Bonhoeffers und einiger MitverschwĂśrer des 20. Juli 1944 bestand ein Kontakt zu den Kirchen in anderen Ländern, insbesondere auch bei den Alliierten. Dadurch konnten die Kirchen in Deutschland nach dem Ende des Kirchenkampfes vergleichsweise schnell den Anschluss an die weltweite Ăkumene finden.
Siehe auch
⢠Schriftenreihe Bekennende Kirche
⢠Schriftenreihe Breklumer Hefte
⢠Schriftenreihe Theologische Existenz heute
⢠Zeitschrift Junge Kirche
Literatur
Quellen
⢠Olaf Blaschke: Die Kirchen und der Nationalsozialismus (= Reclam Universalbibliothek, 19211). Reclam, Stuttgart, 2014, ISBN 978-3-15-019211-5.
⢠Walter Conrad: Kirchenkampf. Wedding Verlag, Berlin 1947, DNB 963079840.
⢠Kurt Dietrich Schmidt (Hrsg. u. Einl.): Die Bekenntnisse und grundsätzlichen ĂuĂerungen zur Kirchenfrage des Jahres 1933. Vandenhoeck & Ruprecht, GĂśttingen 1934.
⢠Emanuel Hirsch: Die gegenwärtige geistige Lage im Spiegel philosophischer und theologischer Besinnung. Akademische Vorlesungen zum Verständnis des deutschen Jahres 1933. Vandenhoeck & Ruprecht, GÜttingen 1934.
⢠Arbeitsgemeinschaft kath. und ev. Christen (Hrsg.): Das christliche Deutschland 1933â1945. Herder, Freiburg; Furche, TĂźbingen, 1945 ff.
⢠Erklärungen aus der Evangelischen Kirche Deutschlands und der Ăkumene zur Judenfrage 1932â1961. Zusammengestellt und eingeleitet von Renate Maria Heydenreich,cite-ref-31[31] in: Dietrich Goldschmidt, Hans-Joachim Kraus (Hrsg.): Der ungekĂźndigte Bund. Neue Begegnungen von Juden und christlicher Gemeinde. Kreuz-Verlag, Stuttgart 1962; S. 183â283.cite-ref-32[32]
⢠Hans-Walter Krumwiede u. a. (Hrsg.): Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen. Neuzeit, 2. Teil. Neukirchner Verlag, Neukirchen-Vluyn 1979.
⢠Joachim Beckmann (Hrsg.): Kirchliches Jahrbuch fĂźr die evangelischen Kirchen in Deutschland 1933â1944. 2. Auflage 1976.
⢠Hans Boberbach (Hrsg.): Berichte des SD und der Gestapo Ăźber Kirchen und Kirchenvolk in Deutschland 1933â1944. Mainz 1971.
⢠C. Nikolaisen, G. Kretschmar (Hrsg.): Dokumente zur Kirchenpolitik des Dritten Reiches. 1. Band 1933â1935. MĂźnchen, 2. Auflage 1975.
⢠Karl Ludwig Kohlwage, Manfred Kamper, Jens-Hinrich PĂśrksen (Hrsg.): âIhr werdet meine Zeugen sein!â Stimmen zur Bewahrung einer bekenntnisgebundenen Kirche in bedrängender Zeit. Die Breklumer Hefte der ev.-luth. Bekenntnisgemeinschaft in Schleswig-Holstein in den Jahren 1935 bis 1941. Quellen zur Geschichte des Kirchenkampfes in Schleswig-Holstein. Zusammengestellt und bearbeitet von Peter Godzik, Husum: Matthiesen Verlag 2018, ISBN 978-3-7868-5308-4.
Gesamtdarstellungen
⢠Kurt Meier: Der evangelische Kirchenkampf. 3 Bände
Band 1: Der Kampf um die âReichskircheâ Halle 1976. Band 2: Gescheiterte Neuordnungsversuche im Zeichen staatlicher âRechtshilfeâ. Halle 1976. Band 3: Im Zeichen des zweiten Weltkrieges. Halle 1984.
⢠Kurt Dietrich Schmidt: Einfßhrung in die Geschichte des Kirchenkampfes in der nationalsozialistischen Zeit. [Eine Vorlesungsreihe, maschinengeschr. 1960, mit handschriftlichen Korrekturen bis 1964; postum] herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Jobst Reller, Ludwig-Harms-Haus, Hermannsburg 2009; 2. Auflage 2010, ISBN 978-3-937301-61-7.
⢠Klaus Scholder: Die Kirchen und das Dritte Reich. Bände 1â3
Band 1: Vorgeschichte und Zeit der Illusionen, 1918â1934. Propyläen, Berlin / MĂźnchen, 1977, ISBN 978-3-550-07339-7. Band 2: Das Jahr der ErnĂźchterung 1934. Propyläen, Berlin / MĂźnchen, 1985, ISBN 978-3-88680-139-8. Band 3 von Gerhard Besier: Spaltungen und Abwehrkämpfe 1934â1937. Propyläen, Berlin / MĂźnchen, 2001, ISBN 978-3-549-07149-6.
⢠Christoph Strohm: Die Kirchen im Dritten Reich. C.H. Beck, Mßnchen, 2011, 2. Aufl. 2016, ISBN 978-3-406-61224-4.
⢠Ernst Wolf: Kirchenkampf. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 3. Auflage. Band 3, Mohr-Siebeck, TĂźbingen 1959, Sp. 1443â1453.
Einzelaspekte
⢠Arbeiten zur Geschichte des Kirchenkampfes, 30 Bände. GĂśttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1958â1984. Die Bände enthalten u. a. Dokumente zu den wichtigsten Synoden der Bekennenden Kirche, Texte aus der Zeit der KirchenausschĂźsse (1935â1937) sowie territorialgeschichtliche oder sachthematisch orientierte Einzeldarstellungen. In der seit 1964 publizierten Ergänzungsreihecite-ref-33[33] wurden vorwiegend territorialgeschichtliche Darstellungen von Zeitzeugen verĂśffentlicht sowie wichtige Publikationen aus der DDR Ăźbernommen.
⢠Friedrich Baumgärtel: Wider die Kirchenkampf-Legenden Freimund, Neuendettelsau 1976 (zuerst 1959); ISBN 3-7726-0076-X.
⢠Gerhard Besier (Hrsg.): Zwischen ânationaler Revolutionâ und militärischer Aggression. Transformationen in Kirche und Gesellschaft während der konsolidierten NS-Gewaltherrschaft 1934â1939 (= Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien 48). MĂźnchen 2001, ISBN 978-3-486-56543-0 (Digitalisat).
⢠Gerhard Ehrenforth: Die schlesische Kirche im Kirchenkampf 1932â1945. Vandenhoeck & Ruprecht, GĂśttingen 1968.
⢠Wolfgang Gerlach: Als die Zeugen schwiegen. Bekennende Kirche und die Juden. Institut Kirche und Judentum, Berlin 1993, ISBN 3-923095-69-4.
⢠Johannes Hartlapp: Siebenten-Tags-Adventisten im Nationalsozialismus, unter Berßcksichtigung der geschichtlichen und theologischen Entwicklung in Deutschland von 1875 bis 1950 Reihe: KKR 53. V&R unipress, GÜttingen 2008, ISBN 3-89971-504-7.
⢠Siegfried Hermle, Henning Pahl (Hrsg.): Medien des Kirchenkampfes. Vandenhoeck & Ruprecht, GÜttingen 2025, ISBN 978-3-525-50220-4.
⢠Kirsten John-Stucke, Michael Krenzer, Johannes Wrobel: ZwÜlf Jahre, zwÜlf Schicksale. Fallbeispiele zur NS-Opfergruppe Jehovas Zeugen in Nordrhein-Westfalen. Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten in NRW, Mßnster/W. 2006 (ohne ISBN) DDC-Notation 940.531808828992 (DDC 22ger).
⢠Karl Ludwig Kohlwage: Die theologische Kritik der Bekennenden Kirche an den Deutschen Christen und dem Nationalsozialismus und die Bedeutung der Bekennenden Kirche fĂźr die Neuorientierung nach 1945. In: Karl Ludwig Kohlwage, Manfred Kamper, Jens-Hinrich PĂśrksen (Hrsg.): âWas vor Gott recht istâ. Kirchenkampf und theologische Grundlegung fĂźr den Neuanfang der Kirche in Schleswig-Holstein nach 1945. Dokumentation einer Tagung in Breklum 2015. Zusammengestellt und bearbeitet von Rudolf Hinz und Simeon Schildt in Zusammenarbeit mit Peter Godzik, Johannes JĂźrgensen und Kurt Triebel. Matthiesen Verlag, Husum 2015, ISBN 978-3-7868-5306-0, S. 15â36 (online auf geschichte-bk-sh.de).
⢠Peter Maser (Hrsg.): Der Kirchenkampf im deutschen Osten und in den deutschsprachigen Kirchengemeinden Osteuropas. Vandenhoeck & Ruprecht, GÜttingen 1992.
⢠Christian Neddens: Bekennende Kirche und âAltlutheranerâ im âKirchenkampfâ. Unerwartete Nähe und naheliegende Weggemeinschaft. In: JĂźrgen Kampmann/Werner Klän (Hrsg.): PreuĂische Union, lutherisches Bekenntnis und kirchliche Prägungen. Theologische Ortsbestimmungen im Ringen um Anspruch und Reichweite konfessioneller Bestimmtheit der Kirche, Oberurseler Hefte Ergänzungsbände Band 14. Edition Ruprecht, GĂśttingen 2014, ISBN 978-3-8469-0157-1, S. 232â269.
⢠Johannes Neuhäusler: Kreuz und Hakenkreuz. Der Kampf des Nationalsozialismus gegen die katholische Kirche und der kirchliche Widerstand. Katholische Kirche Bayerns, Mßnchen 1946.
⢠Hans Prolingheuer: Kleine politische Kirchengeschichte. 50 Jahre evangelischer Kirchenkampf von 1919 bis 1969. Pahl-Rugenstein, KÜln 1984, ISBN 3-7609-0870-5.
⢠Hans Prolingheuer: Wir sind in die Irre gegangen. Die Schuld der Kirche unterm Hakenkreuz. Pahl-Rugenstein, KÜln 1987, ISBN 3-7609-1144-7.
⢠Edmund Schlink: Der Ertrag des Kirchenkampfes. C. Bertelsmann, Gßtersloh 1947.
⢠Klaus Scholder: Die Kirchen zwischen Republik und Gewaltherrschaft. Gesammelte Aufsätze; ungekßrzte und korrigierte Ausgabe der Erstausgabe 1988; hrsg. von Karl Otmar von Aretin und Gerhard Besier; Ullstein, Berlin 1991, ISBN 3-548-33148-3.
⢠Leonore Siegele-Wenschkewitz: Nationalsozialismus und Kirchen. Religionspolitik von Partei und Staat bis 1935. Dßsseldorf 1974.
⢠Marikje Smid: Deutscher Protestantismus und Judentum 1932/1933. Christian Kaiser, Mßnchen 1990, ISBN 3-459-01808-9.
Weblinks
⢠Evangelische Arbeitsgemeinschaft fßr Kirchliche Zeitgeschichte: Widerstand!? Evangelische Christen und Christinnen im Nationalsozialismus. In: evangelischer-widerstand.de. Abgerufen am 16. April 2022 (Online-Ausstellung).
⢠Werner Koch: Der Kampf der Bekennenden Kirche im Dritten Reich. (PDF; 1,9 MB) In: Beiträge zum Widerstand 1933â1945, Heft 4. Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin, 2001, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂźgbar) am 30. März 2003; abgerufen am 16. April 2022.
⢠Manfred Kock: Kirchenkampf und Antisemitismus â Die Haltung der protestantischen Landeskirchen zum Judentum in der NS-Zeit. In: ekd.de. 30. August 2005; abgerufen am 16. April 2022 (Vortrag in Bad Segeberg).
⢠Karl Barth: On the Church Struggle (Kirchenkampf). (Video auf YouTube; 3:01 Minuten) 1967; abgerufen am 30. Mai 2014.
⢠Heinrich Grosse: âDas Wort der Kirche ist nicht gekommenâ â Die evangelischen Kirchen und die Judenverfolgung im Nationalsozialismus. (PDF; 192 kB) In: âNiemand kann zwei Herren dienen.â Zur Geschichte der evangelischen Kirche im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit. Blumhardt, Hannover, 2008; abgerufen am 16. April 2022 (ISBN 978-3-932011-77-1). cite-ref-34[34]
⢠Claudia Prinz: Die Bekennende Kirche. In: dhm.de. 15. Juli 2015; abgerufen am 16. April 2022.
Einzelnachweise
cite-note-11. â GĂźnter Baadte: Grundfragen der politischen und gesellschaftlichen Neuordnung in den Hirtenbriefen der deutschen BischĂśfe. In: JCSW. Band 27, S. 97. Ludwig Volk: Akten deutscher BischĂśfe Ăźber die Lage der Kirche 1933â1945. Hrsg.: Kommission fĂźr Zeitgeschichte. Band 6: 1943â1945.
cite-note-22. â Leonore Siegele-Wenschkewitz: Die Kirchen zwischen Anpassung und Widerstand im Dritten Reich. In: Barmer Theologische Erklärung 1934â1984. Luther Verlag, Bielefeld 1984; ISBN 3-7858-0287-0; S. 11â29.
cite-note-33. â Beispiel: In diesem Text ist einleitend vom âKirchenkampfâ zur Zeit Luthers die Rede, also mit Bezug zur Reformation.
cite-note-44. â Kirchliche Vertragspartner waren die Landeskirchen AltpreuĂische Union, Frankfurt/Main, Hannover (lutherisch), Hannover (reformiert), Hessen-Kassel, Nassau, Schleswig-Holstein sowie Waldeck und Pyrmont.
cite-note-55. â Wolfgang Benz: Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert. In: Bundeszentrale fĂźr politische Bildung. Abgerufen am 10. Mai 2019.
cite-note-66. â Friedrich Pohlmann: Ideologie und Terror im Nationalsozialismus. In: Freiburger Arbeiten zur Soziologie der Diktatur. Band 1. Centaurus, Pfaffenweiler 1992, ISBN 3-89085-648-9, S. 154.
cite-note-77. â Hans MĂźller: Katholische Kirche und Nationalsozialismus, Dokumente 1930â1935. Nymphenburger Verlags-Handlung, MĂźnchen 1963, DNB 453485103, S. 73. Der Satz wurde in der Parteizeitung VĂślkischer Beobachter sowie in den meisten anderen Zeitungen nicht verĂśffentlicht. Der der Weglassung nachfolgende Satz wurde dann wegen des Satzanschlusses geändert, es war also keineswegs ein Irrtum.
cite-note-0-88. â JĂźrgen W. Falter, Dirk Hänisch: Die Anfälligkeit von Arbeitern gegenĂźber der NSDAP bei den Reichstagswahlen 1928â1933. In: Archiv fĂźr Sozialgeschichte. Band 26, 1986, S. 210 (fes.de [PDF; 9,8 MB]).
cite-note-schriften-des-initiativkreises-katholischer-laien-und-priester-in-der-di-zese-augsburg-e-v-99. â Konrad LĂśw: Die katholische Kirche in Nachkriegsdeutschland 1945â1948: Der Kampf um das Schulkreuz in der NS-Zeit und heute. (PDF; 106 kB) Schriften des Initiativkreises katholischer Laien und Priester in der DiĂśzese Augsburg e. V., 46. 2003, S. 26, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂźgbar) am 24. August 2007; abgerufen am 8. Mai 2017.
cite-note-1010. â Claudia Prinz, Arnulf Scriba: Kirchen im NS-Regime. Deutsches Historisches Museum, Berlin, 17. September 2014, abgerufen am 8. Mai 2017.
cite-note-1111. â Konrad LĂśw: Die Schuld: Christen und Juden im Urteil der Nationalsozialisten und der Gegenwart. 1. Auflage. 2002, S. 42.
cite-note-1212. â Erwin Gatz: Geschichte des kirchlichen Lebens in den deutschsprachigen Ländern seit dem Ende des 18. Jahrhunderts: Die Katholische Kirche. 4 Der DiĂśzesanklerus, 1995, S. 169.
cite-note-1313. â Klaus Scholder: Eugenio Pacelli und Karl Barth. Politik, Kirchenpolitik und Theologie in der Weimarer Republik. In: Karl Otmar von Aretin, Gerhard Besier (Hrsg.): Die Kirche zwischen Republik und Gewaltherrschaft. Berlin 1991, S. 103.
cite-note-1515. â Stefan KorboĹski: The Polish underground state: a guide to the underground, 1939â1945. Hippocrene Books, 1981, S. 142.
cite-note-1616. â Michael F. Feldkamp: Mitläufer, Feiglinge, Antisemiten? Katholische Kirche und Nationalsozialismus. 2009, S. 182.
cite-note-1717. â Gerhard Besier, Francesca Piombo: Der Heilige Stuhl und Hitler-Deutschland. Deutsche Verlags-Anstalt, 2004, S. 217.
cite-note-1818. â Bastian Scholz: Die Kirchen und der deutsche Nationalstaat. Springer Verlag, 2015, S. 333 (google.at).
cite-note-1919. â Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann Weiss (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Klett-Cotta, 2007, S. 209.
cite-note-2020. â Olaf Blaschke: Die âReichspogromnachtâ und die Haltung von katholischer BevĂślkerung und Kirche. Mentalitätsgeschichte als SchlĂźssel zu einem neuen Verständnis? Sowie Joachim KĂśhler: Katholische Kirche, Katholiken und die Juden in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft. Beide in: Haus der Geschichte Baden-WĂźrttemberg (Hrsg.): Nebeneinander â Miteinander â Gegeneinander? Zur Koexistenz von Juden und Katholiken in SĂźddeutschland im 19. und 20. Jahrhundert (= Laupheimer Gespräche 2000). Bleicher, Gerlingen 2002, ISBN 3-88350-053-4, S. 199â229 bzw. 230â260.
cite-note-2121. â Dies war der offizielle Name seit 1938; vorher lautete er âKirchenbewegung Deutsche Christenâ.
cite-note-2222. â NĂźrnberger Prozess, Dokument D-75, US-348. Eine ausfĂźhrlichere, zeitgenĂśssische Fassung, die in der Schweiz umlief, unter Orientierung.ch (PDF; 1,6 MB)
cite-note-2323. â Zitiert nach: Ulrich Oelschläger: 70 Jahre Ausschluss getaufter Juden vom Abendmahl â 20 Jahre Bekenntnis zur bleibenden Erwählung der Juden und Gottes Bund mit ihnen â Ein ambivalentes und spannungsreiches Jubiläum; Blickpunkt.e: Materialien zu Christentum, Judentum, Israel und Nahost; Arbeitskreis Kirche und Israel in der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau; abgerufen am 30. Mai 2014.
cite-note-2424. â Christian Gerlach: WerkstattGeschichte 18 (1997), S. 31, sieht bei diesem Datum einen direkten Zusammenhang mit der 5 Tage zuvor erfolgten Bekanntgabe Hitlers vor 50 Parteifunktionären, die Ermordung aller Juden Europas jetzt endgĂźltig und beschleunigt durchzufĂźhren. Er beruft sich auf Daniel Jonah Goldhagen: Vollstrecker, 1996, S. 142f und Raul Hilberg: Täter, 1992, S. 285. Gerlach meint, die Kirchenleitungen sind immer sehr gut darĂźber informiert gewesen, was in hĂśchsten Partei- und Staatsstellen gerade ablief. Die nationalkirchliche Erklärung vom 17. Dezember 1941 lautet an den wichtigsten Stellen: Wir Kirchenleitungen stehen in der âFront des historischen Abwehrkampfes, der u. a. [âŚ] die Kennzeichnung der Juden als der geborenen Welt- und Reichsfeinde notwendig gemacht hat, wie schon [âŚ] Luther [âŚ] die Forderung erhob, schärfste MaĂnahmen gegen die Juden zu ergreifen und sie aus den deutschen Landen auszuweisen [âŚ] Durch die christliche Taufe wird an der rassischen Eigenart eines Juden, seiner VolkszugehĂśrigkeit und seinem biologischen Sein nichts geändert.â In: Joachim Beckmann (Hrsg.): Kirchliches Jahrbuch fĂźr die evangelische Kirche in Deutschland 1933â1944; 60. bis 71. Jg.; Bertelsmann, GĂźtersloh 1948, 2. Aufl. 1976; S. 460.
cite-note-2525. â Hans-Joachim Lang: Als Christ nenne ich Sie einen LĂźgner. Theodor Rollers Aufbegehren gegen Hitler; Hamburg: Hoffmann und Campe, 2009; ISBN 3-455-50104-4.
cite-note-2626. â Beatrix Stan: Ein StĂźck vom Himmel gesehen. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 2. Februar 2010, abgerufen am 1. Mai 2025.
cite-note-2727. â Kirchenfenster Nr. 33 bei Glasmalerei (2012).
cite-note-st-hr-2929. â Zitiert nach: Martin StĂśhr: â⌠habe ich geschwiegenâ Zur Frage eines Antisemitismus bei Martin NiemĂśller (Memento vom 1. Juli 2013 im Webarchiv archive.today); Artikel vom 10. Oktober 2011 auf Internetseite der Martin-NiemĂśller-Stiftung.
cite-note-3030. â Hitler im Kirchenfenster, abgerufen am 9. Mai 2009.
cite-note-3131. â 46 Dokumente, davon 34 bis Ende 1943.
cite-note-3232. â Im Ăbrigen gibt der Band die Vorträge u. a. Beiträge der entsprechenden Arbeitsgruppe auf dem Kirchentag 1961 in Berlin wieder, auch mit historischem RĂźckblick auf den Kirchenkampf.
cite-note-3333. â Arbeiten zur Geschichte des Kirchenkampfes. Ergänzungsreihe. (Memento vom 4. Oktober 2010 im Internet Archive) Liste der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft fĂźr Kirchliche Zeitgeschichte, Forschungsstelle MĂźnchen auf der Website der Evangelischen Kirche in Deutschland; abgerufen am 13. November 2014.
cite-note-3434. â Hans-JĂźrgen Benedict: Heinrich Grosse: âNiemand kann zwei Herren dienen.â Zur Geschichte der evangelischen Kirche im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit Rezension. (PDF; 527 kB) In: Deutsches Pfarrerblatt. September 2010, S. 284â285, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂźgbar) am 13. April 2014; abgerufen am 16. April 2022 (wiedergeben auf hs-hannover.de).